Sabb Schreibmaschine

Sabb # 11457, Sammlung G. Sommeregger 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016

Die Sabb ist eine italienische Kleinschreibmaschine und wurde von den späten 1920er bis zu Beginn der 1930er Jahre hergestellt. Sie wurde aus der Juventa Kleinschreibmaschine entwickelt und ist Teil der grossen lombardischen Schreibmaschinentradition der Everest.

Die Sabb und ihre Vorgänger

Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016

„Sabb“ ist einerseits die Abkürzung der Herstellerfirma Societa Anonima Brevetti Brasa, andererseits  der Name der hier vorgestellten Schreibmaschine selbst. Die Firma SABB (hier in Grossbuchstaben geschrieben analog dem Aufkleber auf der Papierstütze) wurde in den 1920er Jahren gegründet. In Wirklichkeit schreibt sie sich aber in der Kontinuität ihrer Vorgängerfirma S.A.I.D., sowie der Nachfolgefirma Serio S.A. (Marke Everest) ein.

Die Juventa der S.A.I.D.

S.A.I.D. steht für S.A. (società anonima) Industria Dattilografica. 1 Diese in der 26, via Friuli in Mailand angesiedelte Firma 2 brachte in den 1920er Jahren die Schreibmaschine „Juventa“ auf den Markt. 3 Ob dies nun 1922 oder 1925 der Fall war – beide Angaben finden sich bei Ernst Martin. 4

Ernst Martin beschreibt diese wie folgt: „Sie war zuerst als sogenannte private Maschine, d.h. die Maschine für Privatleute gedacht. Sie hatte infolgedessen nur eine Walzenbreite von 185 mm. […] Es wurde ab 1926 eine grössere Maschine für normalbreites Papier hergestellt […]. Das kleinere Modell schrieb 78, das grössere 84 Zeichen, beide waren dreireihig. Randsteller, Zeilensperrung mit Glocke, Umschaltefeststeller. Das Gestell bestand aus einer Aluminiumlegierung, die Maschine wog nur 3,5 kg. Es war nichts daran genietet, alles durch Schrauben regulierbar.5 

Juventa # 8954, G. Fernandez Boas collection 2016, photo © R. Polt @ writingball.blogspot.com
Juventa # 8954, G. Fernandez Boan collection 2016, photo © R. Polt @ writingball.blogspot.com

Oben sehen wir eine Juventa mit der Seriennummer 8954 aus der Sammlung von G. Fernandez Boan. Sehr schön zu sehen ist der Name der Herstellerfirma, „SOC. ANONIMA S.A.I.D. – MILANO – ITALIA“. Weiter trägt sie die Modellnummer 2. Burghagens Liste erwähnt ein Modell 3 beginnend 1926. 6

Als produzierte Maschinen nachgewiesen sind Modell 2 und Modell 5 7.

Verkauft wurde die Juventa nach Ernst Martin auch unter den Namen Agar, Agar-Baby, Ardita, Diadema und Fidat. 8

Agar Baby. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949
Agar Baby. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949

Neben Exemplaren in klassischem Schwarz wurde auch eine Juventa in rot gemeldet. 9

Für das Jahr 1927 ist noch eine Verkaufsanzeige für die Juventa bekannt. 10 Nach Burghagens Liste lief die Juventa bis 1928. 11

Italo Brasa

Am 18. Februar 1924 12 meldete der Ingenieur Italo Brasa (Vornamen Nachnamen) in Italien und im Februar 1925 in mehreren anderen Ländern ein Patent für einen Schreibmaschinenwagen an. 13 

Über Italo Brasa ist aus besagten Patenten bekannt, dass er Italiener war, Ingenieur von Beruf, wohnhaft in dieser Zeit in der 22, Corso Vittorio Emanuele in Mailand. Es ist anzunehmen, dass er der führende Ingenieur und Namensgeber der späteren Firma „Brevetti Brasa“, übersetzt in etwa „die Patente von Herrn Brasa“, war. Über die Besitzverhältnisse der Sabb ist mir nichts bekannt.

Die Aufschrift auf vorhandenen Maschinen gibt präzise Nachweise von weiteren Patenten. Leider konnte ich diese nicht im Internet ausfindig machen, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Sehen wir uns aber diese Referenzen genauer an. 

Patente zu Juventa und Sabb

Auf einer Juventa, und hier sei einem ebay Verkäufer für die schönen Fotos gedankt, finden wir folgende Patente aufgelistet: „18.2.1924 228300 / 18.2.1924 228301 / 18.2.1924 228302“. 14 Drei Patente am selben Tag. Es ist derselbe 18. Februar 1924, auf den das oben genannte US-Patent Bezug nimmt.

Nun finden wir die Patentnummern 228300, 228301 und 228302 ebenfalls auf den Sabb Maschinen. Dies belegt die Entwicklung der Sabb aus der Juventa heraus, beziehungsweise die Juventa als Grundlage für die Sabb.

Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016

Zusätzlich sind auf Sabb Maschinen folgende Patentnummern aufgeführt: 902925, 237180, 246266, 114922, 583989, sowie 9637/25 (in dieser Reihenfolge). 15

Somit ist eine Kontinuität, mit vielen Neuerungen, von der Juventa zur Sabb ablesbar.

S.A. Brevetti Brasa und die Sabb

Sabb. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949
Sabb. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949

Ernst Martin berichtet weiter: „Später änderte die Fabrik ihren Firmenwortlaut in S.A. Brevetta Brassa [recte: S.A. Brevetti Brasa] und verlegte die Fabrikation nach 20, via Cirene, später nach 17, via C. Farini, Mailand. Die Maschine wurde von da ab Sabb genannt und war verbessert.16

Danach ist die Firma S.A.B.B. eine Fortführung der S.A.I.D.. Die zugehörige Schreibmaschine wurde unter dem neuen Namen Sabb verkauft. Als Namensvariante bekannt ist mir Merkur. 17

Nach Ernst Martin ist die Sabb gegenüber der Juventa „verbessert“. Ob die letzten Exemplare der „Juventa“ schon der „Sabb“ gleichen, gilt es herauszufinden.

Auf den bekannten Exemplaren findet sich meistens die folgende Aufschrift am Vorderrahmen: „SOC. AN. BREVETTI BRASA – MILANO (ITALIA)“, sowie, umkreist, „M28“ oder „M30“.

An Farben sind neben dem klassischen Schwarz auch rote Exemplare bekannt. 18

Burghagens Liste gibt 1928 für den Beginn der Sabb-Produktion an. 19

Verkauft wurde die Sabb auch im Ausland. Für die Schweiz ist eine Werbeanzeige aus dem Jahr 1930 bekannt, in der die Sabb übrigens 250 Franken kostete. 20 Sie konnte auch für monatlich 20 Franken gemietet werden.

Diesen oder einen ähnlichen Weg muss die hier gezeigte Sabb Maschine genommen haben. Sie hat eine deutsche Tastatur. Gefunden habe ich sie in Basel.

Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016. „GR.B.“ für Grossbuchstaben und „ZIFF.“ für Ziffern.
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016

Nach Burghagens Liste endete die Produktion der Sabb im Jahr 1930. 21

Auf einem späten Sabb Exemplar findet sich eine geänderte Aufschrift. Wir lesen „MILANO – OFFICINE MONDIAL – CREMA“. 22 Dies ist sehr interessant, da sich hier eine Verbindung zum Nachfolgemodell, der später als Everest bekannten Maschine, zeigt.

Von der Sabb zur Everest

Im Jahr 1931 kam die Nachfolgemaschine der Sabb, die vierreihige Everest Kleinschreibmaschine, auf den Markt. 23 Es gibt einen Hinweis darauf, dass die ersten Exemplare dieser vierreihigen Maschine unter dem Namen „Mondial“ verkauft wurden. 24

Everest. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949
Everest. Quelle: Ernst Martin, Die Schreibmaschine, 1949

Mit der „Everest“ wurde eine jahrzehntelang erfolgreiche Schreibmaschinenproduktion zwischen Mailand und Crema begründet, übrigens nicht ohne Schweizer Beteiligung (davon an anderer Stelle mehr).

Mehr Sabbs im Netz

Dank

Mit vielem Dank an M. Elster (plustype.de), T. Fürtig, G. Fernandez Boan und R. Polt.

Erstellt am 13. Juni 2016. Letzter Update 16. Juni 2016.

© typewriters.ch 2016

Notes:

  1. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316. Verschiedentlich wird der Name auch als Società anonima Industrie Dattilografiche angegeben, also im Plural.
  2. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316.
  3. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316.
  4. 1925 zunächst in: Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, 5. Auflage 1934, S. 755, sowie in: Fabriknummernverzeichnis. Daten zur Altersermittlung von Schreibmaschinen. Beilage zu: „Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte“,  3. Auflage 1939; sodann 1922 in: Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316.
  5. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316 f.
  6. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 11. Auflage 1962
  7. # 13705, angeschrieben am vorderen Rahmen als „JUVENTA STANDARD“, Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer, Partschins
  8. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  9. R. Polt in: ETCetera, No. 87, September 2009, S. 2. Das Exemplar ist mit „Corona“ angeschrieben.
  10. Mit 1927 datierte Anzeige der Juventa durch die Firma Carl Kühnke, Berlin, in: Leonhard Dingwerth, Historische Schreibmaschinen-Anzeigen. Quellen der Geschichte. 1880–1959, [Eigenverlag] 2000
  11. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 11. Auflage 1962
  12. Angabe 18. Februar 1924 in US1620942.
  13. Bekannt sind mir: CH114922 vom 1. Mai 1926 (beantragt 17. Februar 1925), Italo BRASA, Macherio (Milano, Italia), Carello per macchina da scrivere; GB237180 vom 23. Juli 1925 (beantragt 21. Februar 1925), Improvements in or connected with Carriages for Typewriters; US1620942 vom 15. März 1927 (beantragt 16 Februar 1925), Italo Brasa, of Milan, Italy, Typewriter.
  14. Juventa, ebay, Juni 2016. Identische Referenzen auf Juventa # 8954 aus der Sammlung G. Fernandez Boan, URL: typewriterdatabase.com (abgerufen am 13. Juni 2016)
  15. Sabb # 11457, Sammlung typewriters.ch 2016
  16. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 317.
  17. Abbildung der Merkur von Arthur Frehner in Michael Adler, Antique Typewriters. From Creed to QWERTY, Schiffer Publishing, 1997, p. 150.
  18. Etwa # 11336, Sammlung S. Beck 2016
  19. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 11. Auflage 1962
  20. Leonhard Dingwerth, Historische Schreibmaschinen-Anzeigen. Quellen der Geschichte. 1880–1959, [Eigenverlag] 2000
  21. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 11. Auflage 1962
  22. # 11995
  23. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 317.
  24. Nino Antonaccio, in: Nino Antonaccio, Le origini della società Serio, in: Antonaccio / Carelli / Dasti / Marazzi / Marazzi / Parati, dall’Everest all’Olivetti. dalle „machinète“ alla prima macchina da scrivere elettronica del mondo, Crema 2002–2003, S. 19, gibt diese Information aus einem Werbefolder der Everest wieder.

TYPO Schreibmaschinen

Ab und zu sichtet der Schreibmaschinensammler, gehäuft in Frankreich, sodann in den Sammlungen von Schreibmaschinensammlern, selten auf Ebay, gleich dem restlichen Internet, Schreibmaschinen der Marke „TYPO“. Was hat es mit diesen auf sich?

Typo #11290. Sammlung G. Sommeregger 2016
Typo #11290. Sammlung G. Sommeregger 2016

Oben gezeigtes Exemplar einer TYPO Schreibmaschine hat die Seriennummer 11290 (sie ist auf der Rückseite der Maschine gut sichtbar eingeprägt). Ein grosser Schriftzug über der Typenabdeckung verrät uns ihren „Namen“: „TYPO“. Auf der Papierstütze steht als Abziehbild: „MANUFACTURE FRANÇAISE D’ARMES & CYCLES / DE SAINT-ETIENNE“. Übersetzt also die „Französische Waffen- und Fahrradfabrik Saint-Étienne“.

Lernen wir zunächst die genannte Firma kennen, bevor wir uns den Typo Schreibmaschinen zuwenden.

Die Manufacture française d’armes & cycles de Saint-Étienne (Manufrance)

Manufrance ist für jeden Einwohner des französischen Universums ein Begriff. Es handelt sich um eines der ältesten Versandhäuser Europas.

Gegründet wurde die Firma als Manufacture française d’Armes de Saint-Étienne am 10. November 1885 von Étienne Mimard (1862–1944) und Pierre Blachon (1856–1914). 1 An diesem Tag übernahmen die beiden die Geschäftslokale der Vorgängerfirma Martinier-Collin in Saint-Étienne, Hauptstadt des französischen Départements Loire. Schon die Firma Martinier-Collin hatte Jagdwaffen vertrieben, somit handelte es sich um eine Übernahme mit Fortführung des Stammgeschäfts.

Étienne Mimard hatte bei seinem Vater den Beruf des Büchsenmachers gelernt, bildete sich aber auch als Zeichner und Graveur weiter. Er baute verkleinerte Modelle von Spezialmaschinen, etwa einer Dampfmaschine. 1884 trat er in die Firma Martinier-Collin ein, wo er 1885 die Zeitschrift Le Chasseur français gründete. Le Chasseur français sollte jahrzehntelang die zweite Hauszeitschrift auch der Manufacture française sein. Später im selben Jahr übernahm er die Firma mit seinem Companion Blachon.

Jagdwaffen und -zubehör blieben über Jahrzehnte die Vorzeigeprodukte des Unternehmens. Neben Jagdwaffen kamen ab 1886 Fahrräder ins Sortiment, ab 1887 wurden diese auch selbst von der Firma hergestellt. Sie wurden zum zweitwichtigsten Eigenprodukt der Manufacture. 1902 wurde der Firmennamen dem entsprechend um die Fahrräder erweitert: Manufacture française d’Armes et Cycles de Saint-Étienne.  

Die Firma hatte grossen Erfolg und eröffnete Verkaufsstellen in ganz Frankreich inklusive seiner Kolonien. Bei der Fabrikation wie bei der Vermarktung wurde auf modernste, oft von den Vereinigten Staaten inspirierte Methoden geachtet. So wurden für die Produktion etwa die Prinzipien des Taylorismus übernommen (Standardisierung von Produktionsteilen und -abläufen), und Geschäftsabläufe und Praktiken von Vorbildern wie Montgomery Ward in den U.S.A. übernommen (Rationalisierung der Verwaltung, moderne Reklame mit dem Verkaufskatalog, s. unten).

In Saint-Étienne wurden riesige eindrucksvolle Fabrik- und Bürogebäude errichtet, die heute noch an der Cours Fauriel bewundert werden können. Teil der Werbestrategie der Firma war es, die Kundschaft zum Besuch der Firmengebäude einzuladen, womit sie grossen Erfolg hatte. Ab 1947 2 nannte sich die Firma Manufrance

Der Niedergang von Manufrance in den 1970er Jahren mündete in einem 1979 eröffneten Vergleichsverfahren. Ein letzter Versuch, auf gewerkschaftlicher Basis die Waffenproduktion fortzuführen, scheiterte mit der Auflösung dieser Société de Coopérative Ouvrière de Production et Distribution (SCOPD) im Jahr 1985.

1988 wurde der Firmennamen durch einen Investor wiederbelebt. Diese Nachfolgefirma ist heute wieder im Versandhandel tätig. 3

Typo #11290. Sammlung G. Sommeregger 2016
Typo #11290. Sammlung G. Sommeregger 2016

Manufrance und Schreibmaschinen

Quelle: Manufacture française d'arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912. via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).
Quelle: Manufacture française d’arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire [Katalog 1912].
via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).

Zum Stolz der Firma zählte eine nach amerikanischem Vorbild organisierte Verwaltung. Diese war in einer immensen Bürohalle untergebracht, die 1000 Angestellte beherbergte. Unter diesen waren 300 Schreibmaschinenkräfte. 4 Jeden Tag mussten 8–10.000 eingehende Briefe verarbeitet werden, 6–10.000 wurden versandt. 5 

Die Schreibkräfte waren Teil der Mechanisierung der Büroarbeit. Man darf annehmen, dass die Manufacture schon seit Beginn der 1890er Jahre Schreibmaschinen in ihrer Verwaltung einsetzte. 6 Es handelte sich um Schreibmaschinen verschiedenster Marken und Bauart: „Maschinen mit Volltastatur, mit einfacher Tastatur, unsichtbar und sichtbar schreibend.“ 7

Der „clavier français“ (französische Tastatur)

Um 1900 hatte Frankreich noch keine eigene Schreibmaschinenproduktion. Die erste in Frankreich hergestellte Schreibmaschine sollte die Japy 3 im Jahr 1910 werden (die ihrerseits auf einem amerikanischen Patent beruhte). Um 1900 war die Weltproduktion von Schreibmaschinen fest in amerikanischer Hand, Deutschland war dabei, die Grundlagen für die spätere starke Eigenproduktion zu legen.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stand der politische Wind auf Nationalismus. Diese Strömung erfasste auch die Büromaschinen und manifestiert sich unter anderem in einer Diskussion um die Tastenfelder (Tastaturen) auf Schreibmaschinen, also um die gute Anordnung der Buchstaben auf demselben.

Es gab gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl von Schreibmaschinenmodellen, etwa unsichtbar und sichtbar schreibende, solche mit Voll- oder Halbtastatur, und dementsprechend mit einander konkurrierende Tastaturbelegungen. Das von Remington eingeführte „QUERTY“ Tastenfeld setzte sich mit der Zeit durch und stieg zur „Universaltastatur“ auf (ohne ein Monopol auf diese Tastaturbelegung zu haben). In den verschiedenen führenden Industrieländern, einschliesslich der U.S.A., gab es aber stets auch Widerstand gegen diese Tastaturanordnung, die etwa als ineffizient kritisiert wurde. Es wurden Versuche unternommen, die Tastatur der jeweiligen Landessprache anzupassen.

Über die Bestrebungen, in Frankreich eine „nationale“ Tastatur einzuführen, berichtet im Detail Ernst Martin.

In Frankreich geht die erste Anregung zur Schaffung eines nationalen Tastenfeldes auf Dupont (1906) zurück, der sich zu diesem Zwecke eigener Buchstabenhäufigkeitsuntersuchungen bediente. Sein erster Tastenfeldvorschlag wurde in la Plume Sténographique vom 1. Mai 1906 veröffentlicht. Seine Häufigkeitsuntersuchungen stimmten mit jenen seines Freundes Sénéchal überein. 1907 brachte Dupont seinen zweiten Entwurf heraus, den er wissenschaftlich begründete und der ein geradeliniges Tastenfeld betrifft, Ziffernreihe 9, die übrigen Reihen je 11 Tasten, in der Mitte gebrauchte Zeichen aufwies. Es blieb beim Entwurf, aber man sprach davon und die Sache war ins Rollen gekommen. Es fehlte der Mann, der die Tastenfeldreform durchführte. Dieser wurde in der Person Albert Navarres gefunden, der eben (1907) das – man kann sagen weltbekannt gewordene – Vierstunden-Dauerwettschreiben im Zirkus Métropol in Paris durchgeführt und auf Anregung und mit Hilfe des Verfassers [also Ernst Martin, Anm.] die Revue Dactylographique nach dem Muster der damaligen Schreibmaschinen-Revue ins Leben gerufen hatte. Es wurde ein zwanzigköpfiger Ausschuss ins Leben gerufen, der die Arbeiten durchführte. Derselbe setzte sich aus Lehrern des Maschinenschreibens, Meisterschaftsschreibern und praktisch tätigen Maschinenschreibern zusammen, alles Leute, die sich rund um die Schreibmaschine bereits Verdienste erworben hatten. Auch die französische Schweiz und Belgien waren in dem Ausschuss vertreten. Navarre, als alter Jounalist und geborener Organisator, hatte nicht nur die stenographische, sondern sogar die ganze Tagespresse in den Dienst der Sache gestellt. Dieselbe klappte. Der Bericht des Ausschusses war ausführlich und hatte viel Kritik im Gefolge. Das belgische Tastenfeld wurde geprüft und verworfen. Es wurden Fabrikanten und Generalvertreter zur Mitarbeit herangezogen. Das neue französische Tastenfeld genoss von vornherein die Unterstützung der Behörden, insbesondere der Schulen. Die deutschen, amerikanischen und englischen Schreibmaschinen wurden bereitwilligst damit geliefert, es wurde jahrelang viel Zeit und Geld für die Propaganda des clavier français geopfert […].“ 8 

Soweit Ernst Martin. Sein Bericht ist umso authentischer, als er nicht nur Zeitgenosse dieser Entwicklungen war, sondern auch in Frankreich gearbeitet hat und Mitarbeiter der zentralen Figur des „clavier français“ 9 Albert Navarre (1874–?) war.  Über seine Revue Dactylographique et Mécanique konnte Navarre die französische Tastatur intensiv bewerben.

Der clavier français, oder französisches Tastenfeld oder Tastatur, war mit der Grundüberlegung gestaltet worden, dass die kräftigsten Finger die häufigsten Buchstaben der französischen Sprache anschlagen sollten. Dementsprechend wurden das Tastenfeld und die Typen angeordnet. 10 Auf der Abbildung unten sehen Sie ein Beispiel des mit den Buchstaben ZHJAY beginnenden clavier français.

Quelle: Manufacture française d'arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912. via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).
Mit dem „clavier français“ ausgestattete Typo Schreibmaschine. Die Zeichenfolge beginnt mit ZHJA.Quelle: Manufacture française d’arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912.
via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).

Typo und der „clavier français“

Der Schreibmaschine Typo kam bei den Bestrebungen, den clavier français auf dem Markt zu etablieren, eine zentrale Rolle zu. 11 Die Manufacture française d’Armes et Cycles de Saint-Étienne brachte die Typo Schreibmaschine im April 1909 auf den Markt. 12 In ihrer Ausgabe vom August 1909 erwähnt die Revue dactylographique, dass die Typo mit dem clavier français versehen ist. 13 Im August 1910 konnte die Revue gar titeln: „Ein Erfolg der Revue dactylographique: die französische Schreibmaschine „la Typo“ hat alle ihre Modelle mit der rationalen französischen Tastatur ausgestattet, die wir empfehlen„. 14 

Es wird gesagt, dass während vieler Jahre in der Firma einzig die eigenen Typo Schreibmaschinen verwendet wurden. 15 Die Sekretärinnen wurden im Betrieb selbst ausgebildet. Wenngleich Kunden die Maschine entweder mit der Universaltastatur oder dem clavier français bestellen konnten, so seien die hausintern gebrauchten Typo Schreibmaschinen alle mit dem clavier français ausgestattet gewesen. 16 Inwieweit dies Propaganda war, ist schwer abzuschätzen. Aus einem mit 1910 datierten Photo der Grand Hall des Magasins, also des Hauptverwaltungszentrums,  sind noch überwiegend Standardschreibmaschinen zu sehen, die keine Typos sind. 17

Nach Besse hatte die Verwendung des clavier français für Manufrance den doppelten Vorteil, dass es einen schnelleren Anschlag, somit schnellere Arbeit erlaubte, dass aber andererseits die im Haus geschulten Schreibkräfte in höherem Grad auf die Firma als Arbeitgeber angewiesen blieben. Dies deshalb, da ansonsten die amerikanische Tastatur weiter verbreitet, eine Umschulung aber schwierig war. 18

Für Werbezwecke wurde der hausinterne Gebrauch der Typo-Schreibmaschinen, die ja die vom Unternehmen vertriebene Marke war, jedenfalls magistral inszeniert.

Erfolge bei Wettschreiben

Es existiert ein Photo eines Wettschreibens auf Schreibmaschinen in der Empfangshalle der Manufacture. 19 Knapp hundert Stenotypisten und Stenotypistinnen sitzen vor identischen Schreibmaschinen. Interessant ist, dass in den ersten Reihen sämtlich Frauen sitzen, und erst in den hinteren Reihen Männer auszumachen sind. Die Schreibmaschinen sind Maschinen der Hausmarke „TYPO“.

Das frühere Direktionsmitglied Jean Fontvieille sagte in einem Interview Folgendes: „Während mehrerer Jahre haben die Sekretärinnen von Herrn Mimard, meinem Vater und einigen anderen leitenden Angestellten an Wettschreiben auf der Schreibmaschine teilgenommen, wo sie die allerersten Plätze erreichten.“ 20 Diese Erfolge wurden dann in den Verkaufskatalogen entsprechend gepriesen.

Quelle: Manufacture Française d'Armes et de Cycles, Machines à coudre et à écrire, [Katalog] 1912. via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).
Quelle: Manufacture Française d’Armes et de Cycles, Machines à coudre et à écrire, [Katalog] 1912.
via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).

So kann man im „Tarif-Album“ (=Katalog) 1913 nachlesen, dass die Typo bei den französischen Meisterschaften in Grenoble im August 1911 den 2. Platz im Schnellschreiben errang. Für die Meisterschaften in Orléans im August 1912 werden schon ein 1. (praktische Arbeiten), 2., 3., 4. und 5. Preis (die alle in der Kategorie Geschwindigkeit) vermeldet. Und so weiter im Jahr 1913 bei den Meisterschaften in Lyon. 21. Hier unterscheidet sich die Manufacture nicht von anderen Firmen, die Schreibmaschinen erzeugten oder vertrieben: unter der Vielzahl der Wettbewerbskategorien fanden sich glücklicherweise für die Firma auch fast immer eigene Erfolge!

Nachsatz: Trotz der Bemühungen um den clavier français hat sich dieser mittelfristig nicht auf dem Markt gehalten. Ernst Martin schreibt in seinem 1949 erschienenen Buch: „heute ist es nur noch den älteren französischen Fachkollegen in Erinnerung.“ 22 Auch von der Manufacture wurde mit der Zeit die amerikanische Tastatur übernommen. 23

TYPO Modelle der Manufrance

Überblick

Anders als die Jagdwaffen und Fahrräder waren die von der Manufacture bzw. Manufrance verkauften Schreibmaschinen jedoch keine Eigenprodukte. 24

Zuallererst gibt es Berichte, nach denen die Manufacture in Saint-Étienne einen Posten des Modells 2 der Stoewer Schreibmaschine, und ab 1907 die Moya Schreibmaschine unter dem Markennamen „Baka“ in Frankreich vertrieb. Ab 1909/10 wurden von der Firma Imperial Typewriter Co. in England hergestellte und dort unter dem Namen „Imperial“ vertriebene Maschinen ins Sortiment des Versandhauses aufgenommen und von diesem nur unter einer anderen Bezeichnung – Typo – ausgeliefert. In den 1930er Jahren waren von Olympia und Imperial hergestellte Kleinschreibmaschinen im Sortiment. Nach dem 2. Weltkrieg verkaufte Manufrance von der französischen Firma Japy hergestellte Schreibmaschinen als „Typo“.

Vorgeschichte Baka: Stoewer und Moya Schreibmaschinen in Frankreich

Dr. Hans Mai berichtet in seiner Geschichte der Stoewer-Schreibmaschinen, dass die Manufacture Française in Saint-Étienne „einen Posten des Modells STOEWER 2“ bezog und diese Maschinen unter der Handelsmarke „Baka V“ verkaufte. 25

Stoewer Mod. 2. Quelle: Martin 1949.
Stoewer Mod. 2. Quelle: Martin 1949.

Das Modell 2 der Stoewer war seit Juli 1905 26 auf dem Markt.

Der Verkauf als „Baka“ in Frankreich dürfte etwas später begonnen haben. Eine französische Quelle gibt 1907 als das Jahr an, in dem die Manufacture erstmals Schreibmaschinen unter dem Namen BAKA im Sortiment hatte. Diese seien in Deutschland produziert worden. 27

Ebenfalls für 1907 finden wir einen Bericht in der Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg. Diese schreibt in ihrer Ausgabe vom 15. Oktober 1907: „Neue französische Schreibmaschine. Eine Waffen- und Fahrräderfabrik in St. Etienne baut eine Schreibmaschine, die sie „La Baka“ nennen will und die 200 Francs kosten soll.

in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 112, 15. Oktober 1907.
in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 112, 15. Oktober 1907.

Was hat es nun mit dieser Meldung auf sich? Ernst Martin informiert uns in seinem Standardwerk „Die Schreibmaschine“, dass die Moya Schreibmaschine ab 1907 28 in Frankreich „einige Jahre unter der Bezeichnung Baka I zu 200 Frs.“ verkauft wurde. 29 Somit ergibt sich, dass die „Baka“ zwar nicht von der Manufacture in Saint-Étienne gebaut, aber von dieser ab 1907 vertrieben wurde. 

Moya Visible No. 2,  # 7114, Sammlung T. Elster 2010.
Moya Visible No. 2, # 7114, Sammlung T. Elster 2010.

Exemplare der „Baka I“ sind selten, aber in einigen Exemplaren bekannt. 30 Dies erklärt sich dadurch, dass die Moya Schreibmaschine allgemein nicht viel abgesetzt wurde, der Verkauf als Baka erst spät 1907 begonnen hatte, und schon kurze Zeit später die Moya ein Auslaufmodell wurde, da ab 1908 die ebenfalls von Hidalgo Moya konstruierte und von der Imperial Typewriter Co. in Leicester hergestellte Imperial A auf den Markt kam.

In Frankreich dürfte die Moya als Baka I noch bis Anfang 1909 verkauft worden sein, als sie von der als „Typo“ vertriebenen Imperial A abgelöst wurde.

Somit ist sowohl der Verkauf der Stoewer Schreibmaschine als auch der Moya Schreibmaschine als „Baka“ belegt. Es ist auf Grund der vorhandenen Quellen wahrscheinlich, dass diese als „Baka V“ und „Baka I“ ab 1907 gleichzeitig im Angebot der Manufacture waren, bevor sie beide 1909 durch das Modell Imperial A (verkauft nicht mehr als Baka, sondern als „Typo“) ersetzt wurden. Verkaufskataloge dieser frühen Jahre könnten hier endgültig Klarheit schaffen.

Das Interessanteste ist aber, dass mit der Schreibmaschine des Typs Moya die Verbindung zwischen Hidalgo Moya und der Imperial Schreibmaschine gelegt wird. In der Folge sollten für viele Jahre Imperial Schreibmaschinen als Typos verkauft werden.

Imperial Schreibmaschinen als Typo

Die Manufacture Française d’Armes et Cycles in Saint-Étienne war Generalvertreter für Frankreich der in Leicester, England, gefertigten Imperial Schreibmaschine. 31

Die von Hidalgo Moya konstruierte Imperial Schreibmaschine kam in England 1908 auf den Markt. 32 Dieses erste Modell ist heute als Modell A bekannt. Das Nachfolgemodell B kam nach Ernst Martin kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs heraus. 33 Die Imperial Modell D, leicht erkennbar am geraden Tastenfeld, wurde ab 1919 produziert. 34 1927 schliesslich folgte das Imperial Modell 50. 35 Ab 1930 produzierte die Imperial Typewriter Co. eine Kleinschreibmaschine, die zunächst Regent hiess und ab 1932 mit dem Namen Imperial. The Good Companion vertrieben wurde. 36 Von all diesen Modellen sind als Typo vermarktete Exemplare bekannt.

Typo (Imperial Modell A)

Der Firmenchef Étienne Mimard preist die Typo Schreibmaschine an. Quelle: Manufacture française d'arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912. via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).
„Die Typo zu 275 Franken ist so viel wert wie Maschinen für 600 Franken.“ Der Firmenchef Étienne Mimard preist die Typo Schreibmaschine an (1912)[ref]Quelle: Manufacture française d’arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire [Katalog 1912].
via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).[/ref]

Die Manufacture française d’Armes de Saint-Étienne brachte die Typo Schreibmaschine im April 1909 auf den Markt. 37 Auf obenstehendem Bild, erschienen im Firmenkatalog 1912, preist der Firmenchef Étienne Mimard persönlich die Typo Schreibmaschine an. Die Firmenkataloge der Manufacture, ab 1947 Manufrance, sind ein Kapitel für sich. 38 Ab 1887 gab die Manufacture jährlich einen Katalog ihrer Verkaufsartikel heraus (genannt „Tarif-Album“). Diese an die Privathaushalte adressierten Kataloge sind graphisch aufwendig gestaltet und eine reiche Quelle für Kultur- und Schreibmaschinenhistoriker. Sie erreichten über Jahrzehnte eine Auflage von über 400.000 Stück.

Zurück zum gezeigten Bild: Graphisch anspruchsvoll, da nach einer Photovorlage Holzschnitte für den Druck hergestellt wurden, sehen wir hier schon sehr früh ein modernes Werbekonzept. Mimard war als Direktor der Manufacture sehr bekannt und verlieh durch das persönliche Werben auf dem Bild mit dem Produkt diesem eine erhöhte Glaubwürdigkeit. Es war wohl dazu bestimmt, dem Kunden eine persönliche Bürgschaft für die Güte des Produkts zu suggerieren, ähnlich, wie später im Fernsehen Claus Hipp für die Güte seiner Babynahrung warb: „Dafür stehe ich mit meinem Namen„. 

Eine Maschine, wie sie Direktor Mimard zeigt, sehen wir unten stehend:

7914_Typo_7914_TElster_2010
Typo A; #7914; Sammlung T. Elster 2010

Die erste Serie von Typo Schreibmaschinen entspricht der Imperial Modell A. Als „Typo“ sind vom Modell A Nummern zwischen 5644 (niedrigste) und 9465 (höchste) bekannt. 39.

Halten wir uns für das Modell A der Imperial an die Beschreibung von Ernst Martin: „Dreireihige Typenhebelmaschine mit vor der Walze aufrechtsstehenden Typenhebeln und halbrundem Tastenfeld. Die Tasten greifen direkt in die Tastenhebel ein. Beide sind durch Spiralfedern verbunden. Der Hebelträger mitsamt dem Tastenfeld kann herausgenommen und durch einen mit einer anderen Schriftart oder anderen Sprache ersetzt werden. Das Farbband bewegt sich bei Benützung der Leertaste nicht. Es können ungefähr 10 Durchschläge gemacht werden. Die Papierführer sind so angebracht, dass die Typen nicht daraufschlagen können. Die Maschine kostete einschliesslich Zweifarbenschreibvorrichtung und Rücktaste £10.  Sie wurde für Italien mit 29, Frankreich 30, Deutschland 32 Tasten geliefert. Punkt, Komma und Ausrufezeichen sind je dreifach vorhanden, so dass sie stets ohne Benützung eines Umschalters geschrieben werden können.40

Was sind nun die Unterschiede zwischen der Imperial und der Typo Variante dieser schönen Schreibmaschine? Wie die frühen Imperial Maschinen auch, trägt die Typo ihren Namen auf der Abdeckung der Typenhebel gut sichtbar eingeprägt bzw. gegossen. Während Imperial jedoch auf eine lackierte Abdeckung (mit oder ohne Abziehbild mit Namen) überging, behielt die Typo den eingelassenen Schriftzug bei. Dieser erschien in zwei Varianten, der besagten, früheren, und später ging man zu einem noch immer gegossenen, aber schwarz lackierten Schriftzug über. Als zweites Merkmal neben dem Schriftzug dient die Anzahl der Tasten. Wie von Ernst Martin oben beschrieben, ist die Typo mit 30 Tasten ausgestattet, gegen nur 28 der englischen Variante.

Gemeinhin als „Typo A“ bekannt, trägt diese Maschine selbst keine solche Aufschrift „A“. Auch im Verkaufskatalog wird sie nur als „Typo“ bezeichnet.

Typo (Imperial Modell B)

Laut Ernst Martin kam die Imperial Modell B kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs auf den Markt. 41 Viele andere Quellen sprechen von 1915. Modell B unterschied sich, wieder nach Ernst Martin, von seinem Vorgänger durch eine Papieranlage, sowie durch zusätzliche Umschalter an der rechten Seite, somit auf beiden Seiten der Tastatur. 42 Schon beim Modell A konnte mit nur vier Schrauben der Typenkorb und somit der ganze Schriftsatz bei Bedarf leicht ausgewechselt werden. Beim Modell B kann der Typenkorb nun noch leichter, und ohne Schrauben zu lösen, mit nur einem Handgriff gewechselt werden.

Wissend um den in der Literatur angeführten Produktionsstart des englischen Modells B überrascht es, ein der Beschreibung entsprechendes Typo Modell schon im Manufrance Katalog von 1912 beworben zu sehen. Auch der Begleittext im Katalog entspricht: „deux touches à majuscules et deux touches à chiffres et à signes“ (zwei Tasten für Grossbuchstaben und zwei Tasten für Zahlen und Zeichen). 43

Quelle: Manufacture française d'arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912. via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).
Quelle: Manufacture française d’arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, 1912.
via: le Blog de Callisto, http://leblogdecallisto.blogspot.ch/2015/06/catalogue-des-machines-coudre-omnia_5.html (abgerufen 28. April 2016).

Zeitgleich mit dem Modell B kam, wieder nach Ernst Martin, ein Imperial Modell C auf den Markt. Es ist aus Aluminium hergestellt und wiegt etwas über 4 Kilogramm. 44 Es ist mir allerdings noch keine Typo aus Aluminium bekannt. 45Geben Sie mir gerne Bescheid, Sie würden Schreibmaschinengeschichte schreiben!

Typo (Imperial Modell D)

Die Imperial Typewriter Co. führte das Nachfolgemodell D im Jahr 1919 ein. „[Modell D] stammt hat das geradlinige Tastenfeld. Die beiden Randsteller werden durch ein und dieselbe Taste ausgehoben. Die Tastenspannung kann durch Verschieben eines Hebels auf einer Skala reguliert werden.46 Auch beim Modell D gibt es eine Ausführung in Aluminium (sogenannte „Imperial Portable„, und natürlich leichter als die Normalversion).

Bekannt sind schwarz und dunkelgrün lackierte Exemplare der Imperial D als Typo.

Typo # 57544, Sammlung T. Elster 2010.
Typo # 57544, Sammlung T. Elster 2010.
Typo # X 55072, Sammlung T. Elster 2010.
Typo # X 55072, Sammlung T. Elster 2010. Es ist dies die Portable Version aus Aluminium

Dass die Typo als Modell D sehr lange verkauft wurden, davon zeugt der Katalog der Manufacture von 1929. In diesem sind drei Varianten besagter Maschine aufgeführt, identifiziert als „No. 3“ zu 1800 Fr. (auf der Abbildung ohne rechte Umschaltung), „No. 5“ zu 2200 Fr. (als „Modèle commerical“ bezeichnet, Umschaltung rechts vorhanden), und „No. 8“ („Modèle à très grand chariot pour Services Administratifs et Comptables“, also mit breitem Wagen; rechte Umschaltung vorhanden).

TYPO No. 3. Quelle: Manufacture Française d'Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie - Librarie. Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 3.
Quelle: Manufacture Française d’Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie – Librarie.
Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 5 "Modèle commercial" Quelle: Manufacture Française d'Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie - Librarie. Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 5 „Modèle commercial“
Quelle: Manufacture Française d’Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie – Librarie.
Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 8 "Modèle à très grand chariot pour Services Administratifs et Comptables" Quelle: Manufacture Française d'Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie - Librarie. Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 8 „Modèle à très grand chariot pour Services Administratifs et Comptables“
Quelle: Manufacture Française d’Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie – Librarie.
Sammlung G. Sommeregger 2016

Typo (Imperial Modell 50)

Der Warenkatalog der Manufacture von 1929 enthält noch ein weiteres Modell, genannt „No. 10“, welches eine ganz anders konstruierte Maschine ist, nämlich die Imperial Modell 50. Letztere kam 1927 auf den Markt und war erstmals mit einem Vorderanschlag nach Art der Wagner’schen Underwood ausgestattet. 47

TYPO No. 10. Quelle: Manufacture Française d'Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie - Librarie. Sammlung G. Sommeregger 2016
TYPO No. 10.
Quelle: Manufacture Française d’Armes et de Cycles, [Katalog 1929], Faszikel Machines à écrire, Papeterie – Librarie.
Sammlung G. Sommeregger 2016

Imperial und Olympia Kleinschreibmaschinen als Typo

Die Imperial Typewriter Co. brachte ihre erste Kleinschreibmaschine 1930 auf den Markt. 48 Davon existieren auch Exemplare in Typo-Ausführung.

Typo (Imperial Good Companion 1), Sammlung T. Fürtig.
Typo (Imperial Good Companion 1), Sammlung T. Fürtig.

Wir sind nunmehr in den 1930er Jahren. Es ist dies eine Dekade, in denen Kleinschreibmaschinen, auch Portables genannt, fest Fuss gefasst hatten. Mit Kleinschreibmaschinen konnte eine breite Käuferschaft angesprochen werden, die keine leistungsstarke Standard(Büro)schreibmaschine, sondern ein für die kleineren Bedürfnisse des Alltags absolut ausreichendes, vor allem aber preisgünstigeres Gerät benötigte. So finden wir in einem Verkaufskatalog der Manufacture aus dieser Zeit 49 zwei Portable-Maschinen, aber keine Standardschreibmaschine mehr.

Quelle: Manufacture d'Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.]. Sammlung G. Sommeregger 2016.
Quelle: Manufacture d’Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.].
Sammlung G. Sommeregger 2016.

Als „TYPO No. 2“ wird zum Preis von 1800 Francs eine Maschine angeboten, die der oben gezeigten Imperial Kleinschreibmaschine entspricht.

Typo N°2 Quelle: Manufacture d'Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.]. Sammlung G. Sommeregger 2016.
Typo N°2
Quelle: Manufacture d’Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.].
Sammlung G. Sommeregger 2016.

Eine „TYPO No. 1“ für günstigere 1200 Francs wird auch verkauft. Diese ist allerdings kein Fabrikat der Imperial, sondern ein deutsches Erzeugnis. Wir sehen hier das erste Modell (Modell A) der Olympia Filia Kleinschreibmaschine, die in Deutschland 1934 auf den Markt kam. 50

Typo N°1 Quelle: Manufacture d'Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.]. Sammlung G. Sommeregger 2016.
Typo N°1
Quelle: Manufacture d’Armes et Cycles de Saint-Étienne [Katalog, s.d.].
Sammlung G. Sommeregger 2016.

Ernst Martin beschreibt die Olympia Filia wie folgt: „Mit diesem Modell wurde eine besonders vereinfachte und deshalb billige aber dennoch für den privaten Schreibgebrauch hinreichende Maschine geboten. […] Der Wagen ist für DIN-Format eingerichtet, die Maschine hat 4 Tasten weniger als die anderen Olympia-Kleinschreibmaschinen, nur einen Umschalter, Pressstofftasten, Farbbandumstellung von Hand, der Zeilenzwischenraum ist mit dem Walzendrehknopf herzustellen […].51 Selbiges Verkaufsargument einer für den „kleinen“ Gebrauch völlig ausreichenden Maschine zum erschwinglichen Preis wird auch von Manufrance im Verkaufskatalog benutzt.

„In der grossen Industrie und im Grosshandel setzt man automatisch voraus, dass ein Brief maschinengeschrieben ist. Warum ist es bei mittleren und kleinen Unternehmen, Anwälten, Ärzten, Autoren, Professoren, Lehrern, Studenten etc., ja sogar bei Privaten nicht genau so? Ist es vernünftig, weiter mühsam Briefe von Hand zu schreiben, wenn man sie mühelos und sogar mit Freude auf der Maschine schreiben kann? Diese abnormale Situation erklärt sich nur dadurch, dass bisher eine Schreibmaschine zwischen 1500 und 3000 Francs kostete. Heute bieten wir, trotz der Verteuerung aller Güter, allen Interessierten für 1200 Francs eine perfekte, einfache, solide Schreibmaschinen an, welche sie voll zufriedenstellen wird.“ 52

1936 erschien das Modell B der Olympia Filia. Dieses hatte einen normal breiten Wagen, doppelseitigen Umschalter, Umschaltefeststeller und verbesserten Randsteller. Nach wie vor fehlten Glocke, Zeilenschalter, Rücktaste und automatische Bandumstellung. Auch von dem Modell B sind Exemplare als „TYPO“ bekannt.

TYPO (Olympia Filia B), Sammlung T. Fürtig 2016
TYPO (Olympia Filia B), Sammlung T. Fürtig 2016

Eine genauere zeitliche Eingrenzung der Modellfolge liesse sich mit Hilfe weiterer Verkaufskataloge der Firma aus späteren Jahren eruieren. Diese stehen mir derzeit nicht zur Verfügung. Während des zweiten Weltkriegs erschien der Katalog der Manufacture übrigens nicht. In der Nachkriegszeit (auch hier fehlen mir noch die entsprechenden frühen Kataloge) finden wir völlig andere „Typo“ Schreibmaschinen.

Japy Schreibmaschinen als Typo

Aus der Nachkriegszeit sind TYPO Schreibmaschinen bekannt, die von der französischen Firma Japy in Beaucourt hergestellt wurden. Die Schreibmaschinen sind moderner geworden, der Hausname TYPO wird aber unverändert weitergeführt. Es handelt sich – soweit bisher bekannt – ausschliesslich um Kleinschreibmaschinen.

Folgende von Japy produzierte und als Typo verkaufte Schreibmaschinenmodelle sind identifiziert (wir danken für weitere Hinweise): P68 (alle Varianten), Japy Script, Japy Message.

Typo (Japy P68)

Die Firma Japy, mit vollem Namen Établissements Japy Fréres, S.A., produzierte ab 1949 und bis in die 1960er Jahre Kleinschreibmaschinen, die ihrerseits auf der Lizenz der schweizerischen PATRIA Schreibmaschine beruhten. In der Japy-Produktion wurden sie Japy P68 (oder: Japy Personnelle) und Japy Script genannt.

Die Japy P68 kam in leicht verschiedenen Versionen heraus. Die erste Serie hat als Merkmal dünne runde Tasten, während die zweite Serie dickere Blocktasten hat. Beide Varianten sind auch als „TYPO“ bekannt.

Typo #136070, collection C. Cannac 2013
Typo #136070, collection C. Cannac 2013
in: Catalogue Manufrance 1958. source: http://en.calameo.com
in: Catalogue Manufrance 1958.
source: http://en.calameo.com

Typo (Japy Script)

Die Japy P68 Linie wurde mit dem Modell „Japy Script“ fortgeführt. Auch das Modell Japy Script ist als „TYPO“ bekannt. 53 Die bekannte Maschine hat graue Tasten, und einen Aufkleber mit „TYPO / MANUFRANCE.SAINT-ETIENNE“ auf der Papierauflage.

Hier das Symbolbild eines baugleichen Modells (in der Variante „Gesa“):

Gesa #373809, Sammlung G. Sommeregger 2010.
Gesa #373809, Sammlung G. Sommeregger 2010.

Typo (Japy Message)

Ab 1964 stellte Japy das Modell Japy message, auch genannt L62, her. Dieses wiederum ist eine Weiterführung der schweizerischen Hermes Baby Schreibmaschine. Auch diese finden sich als „TYPO“ Variante. Ein Schild rechts über der Tastatur zeichnet die Maschine als „TYPO / MANUFRANCE / SAINT-ETIENNE“ aus.

Hier sehen Sie als Symbolbild die ursprüngliche „Japy message“:

Japy message #8102156, Sammlung G. Sommeregger 2011
Japy message #8102156, Sammlung G. Sommeregger 2011

Nach über sechs Jahrzehnten ging die Geschichte der Typo Schreibmaschinen zu Ende. Ich danke Ihnen für Mitteilung, sollten Sie weitere Informationen, etwa aus den Verkaufskatalogen, haben.

Zum Weiterlesen

  • Richard Milton, Hidalgo Moya“, in: Paul Robert, with Flavio Mantelli – Richard Milton – Peter Weil, The Typewriter Sketchbook, The Virtual Typewriter Museum, 2007.
  • Richard Milton, „The Enigmatic Imperial A“, in: Paul Robert, with Flavio Mantelli – Richard Milton – Peter Weil, The Typewriter Sketchbook, The Virtual Typewriter Museum, 2007.

Dank

Dank an C. Cannac, T. Fürtig, B. Kerschbaumer, M. Elster (plustype.de) und le blog de Callisto.

© G. Sommeregger, typewriters.ch 2016

Version vom 22. Mai 2016.

 

 

Notes:

  1. Hier und in Folge das wunderschöne Buch von Nadine Besse, Manufrance. l’album d’un siècle 1885–1985, Musée d’Art et d’Industrie – Ville de Saint-Étienne, Fage éditions, 2010. (Besse 2010)
  2. Nadine Besse, Manufrance. l’album d’un siècle 1885–1985, Musée d’Art et d’Industrie – Ville de Saint-Étienne, Fage éditions, 2010, S. 8
  3. Vgl. die Webpräsenz http://www.manufrance.fr.
  4. Besse 2010, S. 174.
  5. Besse 2010, S. 174.
  6. „La Manufacture française d’Armes et Cycles de Saint-Étienne qui emploie des machines à écrire depuis vingt ans […]“, Manufacture Française d’Armes et de Cycles, Machines à coudre et à écrire, [Katalog] 1912, S. 256
  7. „[…] des machines à double clavier, à simple clavier, à écriture visible, etc. [..]“, Manufacture Française d’Armes et de Cycles, Machines à coudre et à écrire, [Katalog] 1912, S. 256
  8. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 539
  9. „Clavier français“ bedeutet wörtlich „französische Tastatur“, wird hier aber im Originalausdruck übernommen, um eine Verwechslung mit der AZERTY Tastatur, das ist die französische Variante der Universaltastatur, zu vermeiden.
  10. „Le clavier français présente sur le clavier universel de nombreux avantages ; il lui est incontestablement supérieur, surtout pour l’écriture de la langue française. Grâce à la disposition rationnelle du clavier français, les touches d’un emploi fréquent, continuel, telles que les touches des voyelles, par exemple, sont groupées au centre du clavier, sous les doigts les plus forts de chaque main ; de la sorte, les deux mains travaillent alternativement, d’une façon tout a fait rationnelle, ce qui permet d’obtenir le maximum de vitesse avec le minimum de fatigue.“ Revue Dactylographique et Mécanique, n° 41, août 1910, S. 241, zitiert in: Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83.
  11. Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83.
  12. Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83, mit Verweis auf: Revue Dactylographique et Mécanique, n° 25, avril 1909.
  13. Revue Dactylographique et Mécanique, n° 29, août 1909, zitiert in: Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83.
  14. „Un succès de la revue dactylographique : la machine à écrire française „la Typo“ a construit tous ses modèles avec le clavier français rationnel que nous préconisions“, Revue Dactylographique et Mécanique, n° 41, août 1910, p. 240-244, zitiert in: Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83.
  15. Besse 2010, S. 181f..
  16. Besse 2010, S. 183f..
  17. Besse 2010, S. 164f..
  18. Besse 2010, S. 184.
  19. Zu sehen in Besse 2010, S. 182f..
  20. „[…] plusieurs années de suite, les secrétaires de Monsieur Mimard, de mon père et de quelques autres chefs de service, participèrent à des concours de dactylographie où elles obtenaient les toutes premières places.“ Besse 2010, S. 182.
  21. Tarif-Album 1913, S. 249, abgebildet in: Besse 2010, S. 181.
  22. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 539.
  23. Besse 2010, S. 184.
  24. Ob es sich um Eigen-, also Lizenzproduktion der Manufrance oder Weiterverkauf handelt, wird in der Literatur verschieden überliefert. Richard Milton schliesst in seinem Artikel „Hidalgo Moya“, in: Paul Robert, with Flavio Mantelli – Richard Milton – Peter Weil, The Typewriter Sketchbook, The Virtual Typewriter Museum, 2007 [e-book Version]: „The Typo was produced by the Manufacture Française d’Armes et Cycles de Saint-Étienne.“ Nach Studium der Quellen bin ich aber der Überzeugung, dass es sich im Import und Wiederverkauf handelte. Im Detail: Die zeitgenössische Fachzeitschrift Typewriter Topics berichtet in ihrer Ausgabe No. 2, Vol. XVII., Februar 1911, S. 175ff. „The general agent for France of the English-made Imperial typewriter is Manufacture Française d’Armes et Cycles at Saint-Etienne (Loire) France.“ Ernst Martin, in: Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 556, verweist zunächst unter dem Stichwort „Typo“ auf „Imperial“. Im Eintrag „Imperial“ auf S. 236f. stellt Martin mit Bezug auf das erste Imperial Modell fest: „Die Maschine […] wurde für Italien mit 29, Frankreich 30, Deutschland 32 Tasten geliefert.“ Somit wurden die Imperial exportiert. Martin ist nicht nur generell als eminenter Experte eine äusserst zuverlässige Quelle, er war durch seine berufliche Tätigkeit in Frankreich auch bestens mit dem hiesigen Büromaschinenmarkt vertraut. Er erwähnt weiter auf S. 237: „In Frankreich wurde die Maschine unter der Bezeichnung Typo, in Deutschland als Triumph Ajax und Lloyd verkauft.“ Michael H. Adler schreibt in: The Writing Machine. a history of the typewriter, London 1973, S. 295,  dass die Imperial „also marketed in France as the Typo“, also in Frankreich als Typo vertrieben wurde. Ebenso erwähnt N. Besse 2010, precit., auf S. 181f., dass die Maschine in England hergestellt und in von Manufrance unter der geschützten Marke Typo vertrieben wurde („[…] sous la marque déposée Typo fabriquée en Angleterre, où elle était appelée Imperial“.  Anzumerken ist auch, dass der opulente Bildband von Besse eine Vielzahl von Photos enthält, die alle wichtigen Produktionsprozesse der Manufacture illustrieren – Bilder einer Schreibmaschinenproduktion finden sich aber nicht darunter. Sie werden auch anlässlich der im Buch im näheren Detail geschilderten Betriebsführungen von 1910 und 1930/35 nicht gesondert erwähnt. Die Schreibmaschinen TYPO sind ausschliesslich im Kontext der Firmenverwaltung sowie des Katalogs und der Wettschreiben erwähnt. Delphine Gardey stellt in: écrire, calculer, classer. comment une révolution de papier a transformé les sociétés contemporaines (1800–1940), éditions la découverte, Paris 2008, S. 90, zur Typo fest: „Version française du modèle B de la British Imperial, elle est simplement assemblée en France“, dies mit Bezug auf die Revue dactylographique et mécanique, n° 25, avril 1909; n° 29, août 1909; n° 41, août 1910. Diese letztgenannte Originalquelle steht mir leider nicht zur Verfügung, vielleicht kann ein Leser/ eine Leserin mir hier weiterhelfen. Die Angabe, dass die Typo in Frankreich montiert wurde, ist jedenfalls relativ präzise. 
  25. Dr. Hans Mai, Die Stoewer-Schreibmaschine und ihre Geschichte. Dokumentation – Daten – Hintergründe, in: Historische Bürowelt, No. 24, Juli 1989, S. 5–12, auf S. 10.
  26. Dr. Hans Mai, Die Stoewer-Schreibmaschine und ihre Geschichte. Dokumentation – Daten – Hintergründe, in: Historische Bürowelt, No. 24, Juli 1989, S. 9.
  27. La Manufacture française d’Armes et de Cycles de Saint-Etienne (Loire), http://www.bm-st-etienne.com/userfiles/file/Mediatheques/expo_virtuelles/manufrance/typo.htm (abgerufen am 16. März 2015).
  28. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 190.
  29. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 192.
  30. Vgl. etwa The Virtual Typewriter Museum, Moya Visible 3, http://www.typewritermuseum.org/collection/index.php3?machine=moyavis&cat=ks#, aus der Sammlung Mantelli (abgerufen am 21. Mai 2016); U.B., Vive la France! Neuer Sammlerclub in Frankreich, in: Historische Bürowelt, No. 34, September 1993, mit Abbildung einer mit „BAKA VISIBLE“ beschrifteten Maschine und der Angabe, dass es sich um eine Moya 2 handle.
  31. Typewriter Topics, No. 2, Vol. XVII., Februar 1911, S. 175ff. „The general agent for France of the English-made Imperial typewriter is Manufacture Française d’Armes et Cycles at Saint-Etienne (Loire) France.“
  32. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 236
  33. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 236. In der Literatur und in Internetquellen wird praktisch durchgehend 1915 als erstes Produktionsjahr angeführt.
  34. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 237
  35. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 237
  36. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 238f.
  37. Delphine Gardey, La standardisation d’une pratique technique: la dactylographie (1883–1930), in: Réseaux, volume 16, n°87, 1998. Les claviers, S. 75–103, S. 83, mit Verweis auf: Revue Dactylographique et Mécanique, n° 25, avril 1909.
  38. 1979 hat Philippe Petitot dem Manufrance Katalog gar eine Monographie gewidmet: Philippe Petitot, Le Catalogue Manufrance. Analyse sémiologique, Centre interdisciplinaire d’Étude et de Recherches sur les Structures régionales de l’Université de Saint-Étienne, 1979.
  39. Mit Dank an T. Fürtig (Privatkorrespondenz 04-2016).
  40. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 236.
  41. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 236.
  42. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 236f..
  43.  Manufacture française d’arme et de cycles, Machines à coudre et à écrire, [Katalog] 1912, S. 260.
  44. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 237.
  45. Ein bisher bekanntes Exemplar der Imperial Modell C  hat, im Unterschied zum Modell B, nur die Umschaltung auf der linken Seite. Information T.F., Privatkorrespondenz 05-2016.
  46. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 237.
  47. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 237.
  48. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 238.
  49. Sammlung G. Sommeregger 2016. Undatiert, kann aus den gezeigten Schreibmaschinenmodellen doch der Erscheinungszeitraum auf die 1930er Jahre eingegrenzt werden, s. Haupttext.
  50. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 314.
  51. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 314.
  52. Manufacture française d’Armes et Cycles de Saint-Étienne (Katalog, undatiert)
  53. Photo auf leboncoin.fr, April 2016.

Von Remington-Sholes zu Japy

Die erste in Frankreich serienmässig hergestellte Standardschreibmaschine wurde ab 1910 von Japy Frères & Cie. in Beaucourt hergestellt. Ihre Wurzeln hat dieses Modell N° 3 (Japy 3X) aber in der amerikanischen Remington-Sholes Schreibmaschine. Im Folgenden gehen wir dem Übergang von der Remington-Sholes auf die Japy Maschine nach.

Remington-Sholes Schreibmaschinen tragen die Namen zweier in der Schreibmaschinenbranche berühmter Familien. Die Firma der Remingtons erzeugte als erste überhaupt Schreibmaschinen serienmässig und in grösserer Stückzahl. Sie schrieb mit der Sholes & Glidden Schreibmaschine von 1874 Geschichte, womit wir bei Sholes sind: Christopher Latham Sholes (1819 – 1890) war der massgebliche Erfinder und Entwickler der nach ihm und Carlos Glidden (1834 – 1877) benannten Maschine.  Zalmon G. Sholes, Sohn des Christopher, und Franklin Remington, Spross der Remington Dynastie, spannten nun zusammen, um eine Schreibmaschine herzustellen. 1 Sie kam 1896 als „Rem-Sho“ auf den Markt. 2 3 Die Remington-Sholes Company hatte Sitz und Fabrik in Chicago, Illinois.

Nach einigen „blindschreibenden“ Modellen konstruierte Remington-Sholes im Jahr 1905 ein „sichtbar“ schreibendes Modell. 4 Es waren dies die Modelle 10, mit 36 Tasten, und 11, mit 42 Tasten. 5 Modell 11 war für den europäischen Markt bestimmt. 6 In der Literatur findet sich für die sichtbar schreibenden Modelle auch der Name „Rem-Sho Visible“ 7 oder „Remington-Sholes Visible“. 8

Remington-Sholes-Visible (Modell Nr. 11). in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Juni 1908
Remington-Sholes-Visible (Modell Nr. 11). in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Juni 1908

Die Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg brachte in ihrer Juli-Ausgabe 1908 einen Hintergrundartikel zur Remington-Sholes Schreibmaschine. 9 Dieser erklärt, dass ein schwieriges und schlussendlich fehlgeschlagenes Fusionsprojekt mit der Arithmograph Co. die Einführung des Visible Modells „im grossen Stil“ 10 bis 1908 verzögerte.

„Es hatte sich im Jahre 1906 die Remington-Sholes Co. mit der Arithmograph Co. fusioniert, von dem Gedanken ausgehend, den Arithmographen in die Remington-Sholes-Maschine einzubauen. Diese Idee erwies sich jedoch nicht als ausführbar, und ausserdem entstanden zwischen den beiden Leitungen Schwierigkeiten. Trotz Widerspruches des Remington-Sholes-Managers war die Fabrikation der schon längst in Aussicht genommenen Visible-Maschine zurückgestellt worden, ohne dass der Arithmograph selbst reüssierte. Es wurden z. B. 2 Millionen Mark für die Ausarbeitung dieser Erfindung nutzlos verausgabt. Dies führte dann auch zur Auflösung der Fusion resp. zur Liquidation dieser vereinigten Gesellschaft, worauf die Remington-Sholes Co. wieder unter der alten Leitung die Schreibmaschinen-Fabrikation allein aufnahm. Inzwischen waren die Prozesse bezüglich Führung des Namens Remington im Worte »Remington-Sholes«, die in den niederen Gerichtsinstanzen verloren wurden, in der höchsten Instanz, dem Oberbundesgericht zu Washington, zugunsten der »Remington-Sholes Co.« entschieden worden, so dass die Gesellschaft nunmehr den inzwischen abgelegten Jamen Remington-Sholes sowohl zum Gebrauch für die Gesellschaft, als auch als Titel und Schutzzeichen für die Maschine wieder aufnehmen konnte. Die Prozesse in Deutschland und Oesterreich waren schon lange vorher vom deutschen Reichsgericht in Leipzig und dem obersten Verwaltungsgerichtshof in Wien gleichfalls zugunsten von Remington-Sholes entschieden worden. Nach all diesen Erfolgen war es für den langjährigen Präsidenten der Co., Mr. Fay, ein Leichtes, das Grundkapital der Gesellschaft nunmehr zu verdoppeln und mit bedeutenden Machtmitteln an die Fabrikation der Visible-Maschine heranzutreten.“ 11

Anfang 1908 kamen die ersten Maschinen des Visible Modells schliesslich auf den Markt. 12 Die Stimmung betreffend die Remington-Sholes Schreibmaschine ist zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der gewonnenen Prozesse 13 und vorhandenen Geldmittel – s. Zitat oben – zuversichtlich. So wird für Europa das Vertretungsnetz neu organisiert, wie in folgenden Anzeigen abzulesen ist.

Anfang 1909 sah die Situation dann aber ganz anders aus. Am 22. Januar 1909 wurde der Sekretär von Remington-Sholes, Charles B. Price, als Zwangsverwalter eingesetzt. 14 Die Insolvenz wurde zum damaligen Zeitpunkt nach aussen noch in Abrede gestellt, 15 der Konkurs war aber eine Tatsache. 16 Mr. Price verkaufte „später im selben Jahr“ 1909 die Herstellungsrechte für die Maschine und die für die Produktion notwendigen Maschinen und Werkzeuge an die französische Firma Japy Frères & Cie. 17

In Beaucourt wurde mit 30. Juli 1909 eine Fabrikationseinheit für die Herstellung der Schreibmaschine, genannt „Manufacture Remington Sholes (R. Sholes)“, eingerichtet. 18 In der ersten Zeit (1909/10) sollen die Teile von der amerikanischen Firma geliefert worden sein, die Montage erfolgte dann in Beaucourt. 19

Der Präsident von Remington-Sholes, Fay, soll persönlich mit amerikanischen Fachkräften der Remington-Sholes nach Frankreich gekommen zu sein, um die Installierung der Produktionsanlagen zu begleiten. 20 21

Die Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg berichtet in ihrer August-Ausgabe 1910 im Detail. Hier erfahren wir auch einige Namen. Neben Präsident Fay, der für sogar „zirka ein Jahr“ nach Frankreich kam, nahmen sich der amerikanische Fabriksleiter Herr Sargent und „eine Anzahl Werkmeister“, sowie „tüchtige Mechaniker“ der Sache an. Auf französischer Seite ist Ingenieur C. Koechlin, sowie der Generaldirektor Warnery erwähnt.

„Die neu errichtete Remington-Sholes-Fabrik in Frankreich hat nunmehr mit der Lieferung von Maschinen begonnen und wird im Laufe des Septembers schon grössere Quantitäten liefern können. Wir sind in der Lage, unseren Lesern folgende interessante Mitteilungen machen zu Können: Die Firma Japy Freres besitzt eine Anzahl verschiedener Fabriken in der Umgebung von Belfort. Diese Fabriken arbeiten zusammen mit einem Kapital von ungefähr 100 Millionen Francs und beschäftigen zusammen zwischen 6-7000 Arbeiter. Die Transferierung der Remington-Sholes erfoigte s. Zt. unter Leitung des früheren Präsidenten der Remington-Sholes Co., Mr. Fay, welcher sich behufs Organisation und Einrichtung der Fabrik zirka ein Jahr in Frankreich aufhielt und den amerikanischen Fabriksleiter Mr. Sargent und eine Anzahl Werkmeister, sowie die tüchtigen Mechaniker nach Beaucourt brachte. Für Frankreich selbst ist eine Vertriebsgesellschaft mit einem Kapital von einer Million Francs in Paris· gegründet worden, und für Mitteleuropa ruht die Organisation ausschliesslich in den Händen des Herrn Henry Newald und wollen sich Reflektanten an das Büro dieses Herrn, Berlin W., Schöneberger Ufer 47, wenden.

[…] Die Fabrik von Japy in Beaucourt steht unter Leitung des berühmten Elsässer Ingenieurs C. Koechlin. Die Fabrik hat bereits grosse Abschlüsse für England und Frankreich gezeitigt, und die Fabrikation ist in bedeutend grösserem Umfange in Aussicht genommen, wozu ein bedeutender Anbau an die bestehende Beaucourter Fabrik bereits begonnen wurde. Die Oberleitung der Fabrik in Beaucourt liegt in den Händen des bekannten Generaldirektors Warnery.“ 22

Ein Zeitungsinserat vom November 1910 gibt weiter Aufschluss über den genauen Produktionsbeginn in Beaucourt. Bisher haben wir nur die Angaben aus den Typewriter Topics, nach dem der Zwangsverwalter im Konkursverfahren Mr. Price „später im selben Jahr“ (1909) den Verkauf an Japy Frères abgewickelt habe, sowie die oben erwähnte Information von August 1910, dass „die neu errichtete Remington-Sholes Fabrik in Frankreich nunmehr mit der Lieferung von Maschinen“ begonnen habe. Hier inseriert nun Henry Newald auf der Suche nach Wiederverkäufern und wirbt wie folgt: „An keiner einzigen seit Ende Juni dieses Jahres aus der neuen französischen Fabrik gelieferten Schreibmaschine ergab sich die geringste Reparatur oder Reklamation.“ 23

in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, November 1910
in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, November 1910

Somit wurden Ende Juni 1910 von der Beaucourt-Fabrik der Japy Frères & Cie. die ersten Maschinen ausgeliefert, in grösseren Zahlen wurde dann ab September 1910 geliefert. 24 Bei diesem Besitzerwechsel und der Neuorganisation blieb der Generalvertreter für Mitteleuropa derselbe, nämlich Henry Newald. 25 Auffällig an der oben gezeigten Annonce von Henry Newald ist, dass er (und nachweislich bis Anfang 1911) „die neue Remington-Sholes Visible“ bewirbt. Es handelt sich, wie in der gleichen Annonce festgehalten, um die in der französischen Fabrik (also Beaucourt) hergestellte Maschine. Jedoch scheint der Name „Japy“ noch nicht auf. Ein genauer Bildvergleich zwischen der im Juni 1908 beworbenen „Remington-Sholes Visible Modell Nr. 11“ (s. Bild oben) und der Abbildung der Maschine in den Annoncen 1910/11 ergibt, dass diese sehr ähnlich, aber nicht identisch sind: So ist auf den jüngeren Annoncen zwar die „N°“ und „11“ am Rahmen vor der Leertaste beibehalten, der in der 1908er Annonce aufgeführte Schriftzug „REMINGTON-SHOLES COMPANY, CHICAGO.MFRS.“ aber wegretouchiert. Die Aufschrift „REMINGTON-SHOLES“ auf dem Schutzblechbogen vor den liegenden Typenhebeln ist auch verschwunden. Nach wie vor prangt 1910/11 auf dem Blech der Papierstütze aber die Aufschrift „REMINGTON SHOLES“. Es ist anzunehmen, dass der Generalvertreter Newald für das Publikum die Kontinuität der – immerhin gut eingeführten – Remington-Sholes Maschine betonen wollte. Will Davis betont auch, dass die Remington-Sholes Maschine per se nicht schlecht war. Zeitgenössische Berichte würden sie als schnell, gut verarbeitet, einfach und funktional bezeichnen. 26

Es gibt also eine Übergangszeit, bis die in Beaucourt produzierten Maschinen auch als „Japy“ angeschrieben oder vermarktet werden. Natürlich ist zu berücksichtigen, dass Abbildungen in der Werbung nicht unbedingt 100% die reel produzierten Maschinen abbilden. So ist das 1910/11 geschaltete Bild aufgrund der festgestellten Retouchierungen wahrscheinlich älteren Datums und reicht in die ursprüngliche Remington-Sholes Produktion zurück. Wie sahen also die „echten“ Maschinen aus?

„Die Remington-Sholes-Maschine ist in jeder Hinsicht stabilisiert worden, die kleinen Konstruktionsmängel, welche den ersten Visible-Modellen anhafteten, sind vollkommen beseitigt, wie ja schon die letzten von Amerika gelieferten Maschinen in jeder Hinsicht tadellos funktionierten.“ 27

Anlässlich eines Sammlertreffens in Nancy im Oktober 2015 konnte ich im direkten Vergleich eine Japy 3X und Japy 3Y Maschine ansehen. Mit „Japy 3X“ wird das erste in Beaucourt gebaute „Remington-Sholes“ Modell bezeichnet. 28 Hier sah ich nun eine Maschine mit der Seriennummer 51156, die auf dem Blech der Papierstütze schon das „Japy“ Logo trägt. Am Rahmen vor der Tastatur war keine Aufschrift zu erkennen (das heisst nicht, dass da nicht einmal eine war), interessant ist aber, dass auf dem Schutzblech vor den liegenden Typenhebeln der Aufdruck „REMINGTON-SHOLES“ aufgebracht ist.

Japy 3X #51156, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3X #51156, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3X #51156, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3X #51156, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger

In der Firmendokumentation wird für das Modell „3-X“ der Produktionszeitraum 1910-11 sowie die Seriennummer 50’000 angegeben. 29 Hier sehen wir also ein Exemplar, dass schon die neue Marke „Japy“ trägt, aber noch eine Spur der Herkunft von der „Remington-Sholes“ verrät.

Für das Modell „3-Y“ gibt die Firmendokumentation den Produktionszeitraum 1911-1929 sowie die Seriennummern 5’000 bis 85’000 an. 30 Auf dem in Nancy zu sehenden Exemplar #26347 prangt nun anstatt „REMINGTON-SHOLES“ auf dem Schutzblech vor den Typenhebeln die Aufschrift „BEAUCOURT. JAPY FRERES & CIE. PARIS“. 

Japy 3Y #26347, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3Y #26347, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3Y #26347, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger
Japy 3Y #26347, Nancy, octobre 2015. Photo G. Sommeregger

Mehr Japy auf typewriters.ch:

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Erstellt am 18. Oktober 2015, letzter Update 19. Oktober 2015.

Notes:

  1. Typewriter Topics, The Typewriter. An Illustrated History, Reprint des Originals: Typewriter Topics, The Typewriter: History & Encyclopedia, New York 1924, Dover Publications, Dover Pictorial Archive Series, 2000, S. 56.
  2. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 154
  3. Will Davis, Sholes1, url: http://www.willdavis.org/Sholes1.html (abgerufen am 18. Oktober 2015)
  4. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 156
  5. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 156
  6. „Letzteres wurde bei uns eingeführt.“ Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 156
  7. Vgl. Die Wettschreiben-Resultate von Venedig, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 113, 15. November 1907, S. 216f., auf S. 217.
  8. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 256
  9. Die Remington-Sholes-Schreibmaschine, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 121, 15. Juli 1908, S. 157.
  10. Formulierung von Ernst Martin. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 156
  11. Die Remington-Sholes-Schreibmaschine, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 121, 15. Juli 1908, S. 157.
  12.  Die Remington-Sholes-Schreibmaschine, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 121, 15. Juli 1908, S. 157.
  13. Massgeblich ist die Entscheidung des U.S. Supreme Courts vom 24. April 1905, 198 U.S. 118.
  14. Typewriter Topics, The Typewriter. An Illustrated History, Reprint des Originals: Typewriter Topics, The Typewriter: History & Encyclopedia, New York 1924, Dover Publications, Dover Pictorial Archive Series, 2000, S. 56.
  15. „Chicago. Die Remington-Sholes-Gesellschaft fiel am 22. Januar in die Hände eines Zwangsverwalters. Die Insolvenz wird indes in Abrede gestellt, und zwar sollen sich die Aktiven auf 300 000 Doll., die Passiven auf 84 000 Doll. belaufen.“ Rubrik Geschäftliche Mitteilungen, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 129, 15. März 1909, S. 86.
  16. Will Davis, Sholes1, url: http://www.willdavis.org/Sholes1.html (abgerufen am 18. Oktober 2015)
  17. Typewriter Topics, The Typewriter. An Illustrated History, Reprint des Originals: Typewriter Topics, The Typewriter: History & Encyclopedia, New York 1924, Dover Publications, Dover Pictorial Archive Series, 2000, S. 56.
  18. Archiv Musée Japy, aus einer in Wasselonne gezeigten Schautafel abgelesen 2012.
  19. Archiv Musée Japy, aus einer in Wasselonne gezeigten Schautafel abgelesen 2012.
  20. Typewriter Topics, The Typewriter. An Illustrated History, Reprint des Originals: Typewriter Topics, The Typewriter: History & Encyclopedia, New York 1924, Dover Publications, Dover Pictorial Archive Series, 2000, S. 56.
  21. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 256f.
  22. Rubrik Geschäftliche Mitteilungen, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 46, 15. August 1910, S. 257.
  23. in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 149, 15. November 1910 (Annonce wiederholt in Nr. 150, 15. Dezember 1910, und – letztmals bekannt – in Nr. 151, 15. Januar 1911).
  24. Vgl. oben und: Typewriter Topics, The Typewriter. An Illustrated History, Reprint des Originals: Typewriter Topics, The Typewriter: History & Encyclopedia, New York 1924, Dover Publications, Dover Pictorial Archive Series, 2000, S. 40f.
  25. „Generalvertrieb und Organisation für Mitteleuropa [wurden] in die Hände des Herrn Henry Newald in Gössnitz in Sa[chsen] gelegt.“, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 151, 15. Januar 1911, S. 4.
  26. „[…] fast, well-made and simple (no backspace, no tabulator, no automatic ribbon reverse) and that they were fully workable machines.“ Will Davis, Sholes1, url: http://www.willdavis.org/Sholes1.html (abgerufen am 18. Oktober 2015)
  27. Rubrik Geschäftliche Mitteilungen, in: Schreibmaschinen-Zeitung Hamburg, Nr. 46, 15. August 1910, S. 257.
  28. Vgl. Etablissements Japy Frères, Direction Commerciale Mécanographie, Historique et technologie de la machine à écrire, février 1946, S. 111
  29. Vgl. Etablissements Japy Frères, Direction Commerciale Mécanographie, Historique et technologie de la machine à écrire, février 1946, S. 111
  30. Vgl. Etablissements Japy Frères, Direction Commerciale Mécanographie, Historique et technologie de la machine à écrire, février 1946, S. 111