F.K. Mała typewriter

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Die F.K. Mała Kleinschreibmaschine war eine polnische Lizenzproduktion der Hermes Baby.

In der 1955 erschienenen „Burghagen“ Liste steht zur F.K. Mala knapp:

„Eine [ab 1938] in Polen hergestellte Klein-Schreibmaschine nach Patenten der Schweizer Firma Paillard S.A. Gleicht der Hermes Baby. Produktion ist während des Krieges eingestellt worden.“ 1

Übersicht

Modell F.K. Mała model
Typ Kleinschreibmaschine / portable typewriter type
Konstrukteur / Erfinder [Giuseppe Prezioso] inventor
Hersteller Fabryka Karabinów (Gewehrfabrik), Warschau, ein Teilbetrieb der Państwowe Wytwórnie Uzbrojenia (Staatliche Waffenfabriken) / manufacturer
Vertrieb   distribution
Produktionsort Warszawa / Warschau place of production
Seriennummern (Baujahr)   serial number (year made)
Tastatur   keyboard
gebaut von – bis   production years
Anmerkungen Lizenzproduktion der Hermes Baby remarks
Patente   patents
Gesamtstückzahl   numbers made

Die Fabryka Karabinów der Państwowe Wytwórnie Uzbrojenia in Warschau

F.K. Mała  # 3788, mit dem Logo "P.W.U." (Państwowe Wytwórnie Uzbrojenia) und "F.K." (Fabryka Karabinów). Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3788, mit dem Logo „P.W.U.“ (Państwowe Wytwórnie Uzbrojenia) und „F.K.“ (Fabryka Karabinów).
Sammlung G. Sommeregger 2016.

Państwowe Wytwórnie Uzbrojenia heisst staatliche Waffenfabriken. Es handelte sich hierbei um ein staatliches Konglomerat, das mehrere Sparten und Fabrikationsorte zusammenfasste: die Fabryka Karabinów (FK) in Warschau, die Fabryka Broni (FB) in Radom, die Fabryka Amunicji (FA) in Skarżysko-Kamienna, sowie die Fabryka Sprawdzianów (FS) in Warschau. 2. Nach E. Martin war die Adresse der PWU in Warschau, Ossolińskich I. 3.Mit Beginn des 2. Weltkriegs und der deutschen Besetzung Polens wurden die Installationen von den Deutschen übernommen und anscheinend in deren Rüstungspläne übernommen. Das letzte Kriegsjahr habe massive Zerstörung der Betriebe gebracht. 4

Die „Fabryka Karabinów„, also Gewehrfabrik, war somit ein Teilbetrieb der staatlichen Waffenfabriken (voller Name manchmal: „Państwowa Fabryka Karabinów, staatliche Gewehrfabrik). Die Produktionsstätte dieser Fabrik befand sich in Warschau, Dworska 29. 5 An dieser Stelle war schon die Vorläuferfirma, die Maschinenfabrik Gerlach und Pulst, ansässig gewesen. 6 Gerlach und Pulst war die älteste Fabrik zur Herstellung von Maschinen Polens gewesen. 7

Tadeusz Tanski, Gerlach i Pulst, Samochód Pancerny Ford Tfc (Ford Tfc Armored Car). Quelle Photo: http://mailer.fsu.edu/~akirk/tanks/pol/OtherPolish.htm
Tadeusz Tanski, Gerlach i Pulst, Samochód Pancerny Ford Tfc (Ford Tfc Armored Car). Quelle Photo: http://mailer.fsu.edu/~akirk/tanks/pol/OtherPolish.htm

Als aus heutiger Sicht Kuriosität, bei näherer Betrachtung aber historisch interessantes Faktum sei angefügt, dass Gerlach und Pulst im Jahr 1920 ein gepanzertes Auto herstellten, das auf dem Ford Model T beruhte. 8

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Fabryka Karabinów, Warschau. Turm. April 1936. Quelle Photo: Narodowe Archiwum Cyfrowe
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Fabryka Karabinów, Warschau. Turm. Januar 2013. Quelle Photo: Jakub Jastrzębski

Die Initialen des Betriebs, „F.K.„, wurden als Markennamen verwendet, als mit dem Vertrieb der französischen Contin Schreibmaschine begonnen wurde. Diese basierte ihrerseits auf der deutschen Ideal Model D. 9. Nach Martin begann die Fertigung der grossen „F.K.“ im Jahr 1932. 10

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Der Erfolg sei gut gewesen, da Behörden verpflichtet gewesen seinen, nur die F.K. zu kaufen. 11  1932 erschien Modell C 28 (28 cm Walzenlänge), gefolgt von Modell C 38 (38 cm Walzenlänge; 1933) und Modell C 48 (48 cm; 1934). Modell D von 1937 integrierte Änderungen aus eigenständiger Entwicklung. 12

F.K. Mała – die kleine F.K.

F.K. Mała # 3011, Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3011, Sammlung G. Sommeregger 2016.

Wieder nach Martin begann die Produktion der F.K. Mała, übersetzt bedeutet das die „kleine F.K.“, im Jahr 1938. 13

Die Lizenz dazu war von der Schweizer Paillard S.A., dem ursprünglichen Hersteller der Hermes Baby, gekauft worden. Somit geht auch die F.K. Mała auf Giuseppe Prezioso, den Konstrukteur der Hermes Baby, zurück. Nach der italienischen Ala und der englischen Empire war die F.K. Mała somit die dritte von Paillard gestattete Lizenzproduktion der Hermes Baby.

Bedingt durch den Ausbruch des 2. Weltkriegs war die Produktionsphase – im Gegensatz zu den Schwesterproduktionen – jedoch sehr kurz. D. Crown gibt 1938-1939 als Produktionsspanne an. 14

Nach A. Nierychlewski begann die Produktion in Warschau in den letzten Monaten des Jahres 1938. Bis 1939 seien weniger als 1000 Maschinen produziert worden. 15

F.K. Mała portable typewriter # 3011, Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała portable typewriter # 3011, Sammlung G. Sommeregger 2016.

„Wiederentdeckung“ und heutiger Stand

W. Davis schrieb über die F.K. Mala 16, ebenso stellt sie Artur Nierychlewski auf seiner Webseite vor. 17

Die kleine F.K. ist heute selten zu sehen. Bekannt sind jedoch Exemplare in den Farben grau, (bordeaux)rot und blau, womit die polnische Produktion bei weitem farbenfroher als die damals noch im Einheitsgrau daher kommende Produktion in den anderen Ländern war.

Die Fabrikationsnummern der mir bekannten Exemplare liegen zwischen 2606 und 4249. W. Davis stellt die Vermutung an, dass es für die F.K. Mała vielleicht keine eigenen, also exklusiven, Seriennummern gegeben habe, sondern diese in der fortlaufenden Produktion gemeinsam mit den grossen Maschinen nummeriert worden sei. 18 Ob das so ist, gilt es noch zu ergründen. Dafür wären neben Seriennummern der F.K. Mała auch solche der „grossen“ F.K. von Nutzen (e-mail gerne an mich).

Das Ende kam wie gesagt am Beginn des 2. Weltkriegs, viel zu früh und im krassen Gegensatz zur Hermes Baby Produktion in den anderen Ländern.

Eine Militärmaschine

F.K. Mała  # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.

Ein besonderes Exemplar können wir dem geneigten Leser / der geneigten Leserin noch zeigen. Es ist eine F.K. Mała, die schon vom Koffer her ins Aug springt. Dessen Griff und Verschlüsse, sowie die Standqueren sind deutlich verstärkt im Vergleich zur üblichen Ausführung.

F.K. Mała # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.

Auf der linken Seite Maschine dann finden sich zwei Punzen, die über die frühere Verwendung dieser Maschine Aufschluss gibt. Auf der einen steht „WOJ“, auf der anderen „M.S.Wojsk. / INT. / 43“. Die Abkürzung M.S.Wojsk. führt uns zum Ministerstwo Spraw Wojskowych, dem (lose übersetzt) Ministerium für militärische Angelegenheit der Polnischen Republik. 

F.K. Mała  # 3788,  Punch stating "M.S.Wojsk."(Ministerstwo Spraw Wojskowych) Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3788, Punch stating „M.S.Wojsk.“(Ministerstwo Spraw Wojskowych)
Sammlung G. Sommeregger 2016.

Vor dem bekannten geschichtlichen Hintergrund ist es berührend und bemerkenswert, dass von den wenigen bekannten F.K. Małas ein Exemplar erhalten ist, dass kurz vor dem Sturz der Polnischen Republik seinen weg in die Verwaltung gefunden hat. Die Maschine hat den Krieg und weitere 70 Jahre überstanden.

F.K. Mała  # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.
F.K. Mała # 3788, Sammlung G. Sommeregger 2016.

© typewriters.ch 2014–2016. Last update 2016-05-16.

Notes:

  1. H. Schinke, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 10. Aufl., Burghagen Verlag, Hamburg 1955. 
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Państwowe_Wytwórnie_Uzbrojenia
  3. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/Państwowe_Wytwórnie_Uzbrojenia, mit weiteren Nachweisen.
  5. Portal miłośników przedwojennej Warszaw, http://www.warszawa1939.pl/index_arch_main.php?r1=dworska_29_wieza&r3=0 (abgerufen am 12. Juli 2014
  6. Portal miłośników przedwojennej Warszaw, http://www.warszawa1939.pl/index_arch_main.php?r1=dworska_29_wieza&r3=0 (abgerufen am 12. Juli 2014
  7. Saul Estin, Restructuring and Privatization in Central Eastern Europe: Case Studies of Firms in Transition, M.E. Sharpe, 1995, S. 279
  8. http://mailer.fsu.edu/~akirk/tanks/pol/OtherPolish.htm (abgerufen am 12. Uli 2014)
  9. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 315f.
  10. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  11. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  12. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  13. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 316
  14. David A. Crown, Class Characteristics of Foreign Typewriters and Typefaces, in: Journal of Crimiminal Law and Criminology, vol. 59, 1968, S. 298-323
  15. http://typewriter.piwko.pl/maszyny/poltype/indexpol.html (besucht am 11. Juli 2014)
  16. Will Davis, the FK Mala, www.willdavis.org/FK.html (besucht am 11. Juli 2014)
  17. 4 examples from my collection, typewriter.piwko.pl/maszyny/kolekcja/index.html (besucht am 11. Juli 2014)
  18. Will Davis, the FK Mala, www.willdavis.org/FK.html (besucht am 11. Juli 2014)

Schreibmaschine Neya

Neya portable typewriter

Durch einen glücklichen Zufall kam ich in den Besitz dieser schmucken Kleinschreibmaschine mit Namen Neya. Es handelt sich um eine dreireihige Schreibmaschine, die von 1925 bis 1931 in Berlin hergestellt wurde. 1

Frühes und späteres Modell

Das hier vorgestellte Exemplar ist die zweite Variante, in Sammlerkreisen auch einfach Neya 2 genannt. Ernst Martin spricht in seinem Buch zunächst von der ersten Variante der Neya:

„Dreireihige Kleinschreibmaschine mit Vorderanschlag, Zweifarbenband, RM. 198. Sie beruht auf der ursprünglichen Erfindung von Arpad Krejniker, Berlin. Hersteller: A. Ney, Ritterstr. 123, Berlin. Bei allen bisher beschriebenen Maschinen, bei welchen die Typenhebel in Segmentschlitzen geführt werden, befinden sich diese Segmentschlitze am unteren Teil des Segmentes. Bei der hier gezeigten Konstruktion weist das Segment unten nur 18, dagegen oben 11 weitere Schlitze auf. Diese Maschine benötigt infolgedessen zwei Serien von Typenhebeln, eine untere und eine obere, und letztere mussten, weil die Typen sehr nahe an der Aufschlagstelle liegen sollen, eine besondere, bisher unbekannte Form erhalten. Weil diese Hebel verhältnismässig kurz sind, hat die Maschine eine grosse Durchschlagskraft, wie man sie bei dreireihigen Maschinen sonst nicht gewöhnt ist.“ 2

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Die erste Variante sei aber „nur sehr wenig bekannt“ geworden, so Martin weiter, und die Fabrik sei dazu übergegangen, alle Hebel in Schlitzen am unteren Segment zu führen. Dieser Übergang sei laut L. Dingwerth ca. 1927 erfolgt. 3

Die Firma

Auf dem Segment der Schreibmaschine ist ein Zierdeckel angeschraubt. Durch vieles Putzen ist die ursprüngliche Aufschrift scheinbar verschwunden, im Gegenlicht ist jedoch perfekt lesbar: „FABRIKAT / S. ROEDER – A. NEY / D.R. PATENT

L. Dingwerth wirft in seinem Buch über die deutschen Schreibmaschinenfabrikanten Licht auf die Firmengeschichte. 4 Danach handelt es sich bei „S. Roeder“ und „A. Ney“ um über Jahrzehnte parallel geführte Firmen. Sowohl die 1872 gegründete Fa. S. Roeder als auch die 1888 gegründete Firma A. Ney hatten ihren Geschäftssitz in der Ritterstrasse 123 in Berlin. Beider Gesellschafter waren Jacob Fuchs und Max Roeder. Auch nach dem Tod von Max Roeder (1902) und Jacob Fuchs (1915) folgen jeweils Familienmitglieder in die Leitung der Firmen nach.

Wieder nach Dingwerth verlief die Aufgabenteilung zwischen den Firmen Roeder und Ney wie folgt: S. Roeder erzeugte Stahlfedern, A. Ney „die dazugehörigen Federhalter und artverwandte Artikel der Bürobranche“. Im Februar 1914 sei die Firma aber in die Schreibmaschinenproduktion eingestiegen. Von der liquidierten Kanzler Schreibmaschinen AG seien die Fabrikationseinrichtungen für die Helios genannte und nur zweireihige Typenradmaschine übernommen worden. Unter dem Namen Helios-Klimax sei sie dann von der Firma A. Ney herausgebracht worden.

Helios-Klimax

Während dem Krieg sei die Produktion der Helios-Klimax unterbrochen gewesen, hätte sich aber ab 1919 wieder und gut verkauft. Steigende Konkurrenz durch drei- und vierreihige Kleinschreibmaschinen hätte aber den Niedergang der Helios-Klimax eingeläutet. Die Produktion sei ca. 1925 ausgelaufen.

Im gleichen Jahr 1925 begann aber die Produktion der dreireihigen Neya.

Ende der 1920er Jahre, im Umfeld der Weltwirtschaftskrise, nahmen die finanziellen Schwierigkeiten der Firma zu. Als dann im Sommer 1932 der Gesellschafter Hans Roeder starb, wurde die Firma A. Ney aufgelöst und das verbleibende Firmenvermögen auf die Firma S. Roeder übertragen. Die Familie Roeder muss jüdischer Herkunft gewesen sein, denn im Jahr 1939 wurde per Verfügung auf Grund der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens von den Nazis ein Treuhänder eingesetzt. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt und 1940 zeichnet die Firma als erloschen. 5

Arpad Krejniker

Arpad Krejniker hiess der Konstrukteur der Neya. Viel mehr als sein Name und drei auf ihn lautende Patente sind mir nicht bekannt. Weitere Informationen wären sehr willkommen.

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Detail der Koffers, Schriftzug digital restauriert
Detail des Koffers, Schriftzug digital restauriert

Weitere „Neyas“ im Netz

Notes:

  1. H. Schinke, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 10. Aufl., Burghagen Verlag, Hamburg 1955. 
  2. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 334
  3. L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226, S. 226
  4. L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226
  5. L. Dingwerth, Helios-Klimax, Neya: Die Metallwarenfabrik A. Net, in: L. Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinen-Fabriken. Band 2: Mittlere und kleine Hersteller, BoD – Books on Demand, 2008, S. 223 – 226, S. 226