Butec 8000 Schreibmaschine

Die Butec 8000 ist eine mechanische, in Japan erzeugte Schreibmaschine. Verkauft wurde sie allerdings in der Schweiz.

Das Exemplar in meiner Sammlung hat die Seriennummer 66104274. Ich fand es über einen sehr freundlichen Kontakt in Aesch bei Basel. Ursprünglich verkauft wurde die Maschine, wie aus einem Aufkleber auf dem Deckel ersichtlich, von der Otto Mathys AG in 5035 Unterentfelden im Kanton Aargau. 

Eine Schweizer Maschine aus Japan

Der japanische Hersteller Nakajima verkaufte oder vertrieb dieses Modell auch unter seinem eigenen Namen als „Nakajima 8000„. 1 Nakajima belieferte jedoch noch andere Firmen ausser Butec mit diesem Modell. Bekannt ist der Name Swintec 1200. 2

Butec AG

Generalimporteur für die Schweiz der von Nakajima erzeugten Schreibmaschinen war die 1981 gegründete Butec-Organisation für Bürotechnik AG (ab 1989: Butec Handels AG), kurz Butec AG. 3 Dies ist auch der Grund, warum Butec Maschinen auch heute noch fast ausschliesslich in der Schweiz im Einsatz sind oder gefunden werden.

Die Butec AG war ein Zusammenschluss von Schweizer Büromaschinenhändlern, die sich aus dem Kreis der bisherigen Hermes-Schreibmaschinen Vertretungen entwickelt hatte. 4 Die butec 8000 ist eine rein mechanische Schreibmaschine, Hauptaugenmerk der Butec AG war jedoch der Vertrieb von elektronischen Schreibmaschinenmodellen, ebenfalls hergestellt von der Firma Nakajima in Japan. 5

Nach wie vor werden Butec Schreibmaschinen in der Schweiz vertrieben. Besuchen Sie diesbezüglich die Webseite der Schreibmaschinen-Butec. 6

Die butec 8000 im Praxistest

Mein Eindruck, der sich natürlich nicht verallgemeinern lässt, da jedes Exemplar wohl so seine Eigenheiten hat: eine grundsolide Maschine, die trotz „Generation Plastic“ leicht und sauber schreibt.

Notes:

  1. Typewriter Database, Nakajima 8000, Seriennummer 23102357, Sammlung J. Vazquez del Olmo,  http://typewriterdatabase.com/1994-nakajima-all-8000.4946.typewriter (abgerufen am 5. März 2017)
  2. Typewriter Database, Swintec (Nakajima) 1200, Seriennummer 47106716, Sammlung W. Davis,  http://typewriterdatabase.com/198x-swintec-nakajima-1200.1399.typewriter (abgerufen am 5. März 2017)
  3. Vgl. den bald erscheinenden Artikel Die BUTEC AG, oder: wie japanische Schreibmaschinen in die Schweiz kamen, von R. Rinderknecht und G. Sommeregger.
  4. Vgl. den bald erscheinenden Artikel Die BUTEC AG, oder: wie japanische Schreibmaschinen in die Schweiz kamen, von R. Rinderknecht und G. Sommeregger.
  5. Vgl. den bald erscheinenden Artikel Die BUTEC AG, oder: wie japanische Schreibmaschinen in die Schweiz kamen, von R. Rinderknecht und G. Sommeregger.
  6. Schreibmaschinen-Butec, URL: http://www.schreibmaschinen-butec.ch (besucht am 5. März 2017).

Empire Junior typewriter

Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016
Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016

Die Empire Junior ist eine Exportvariante der Schweizerischen Hermes 2000 Schreibmaschine. Sie wurde über die Empire Typewriters Ltd. (den Lizenzhalter für die Produktion von Hermes Baby Schreibmaschinen) in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre in Grossbritannien verkauft. 

Empire Junior # 44344 

Im Juni 2016 konnte ich mit Hilfe eines Freundes aus England eine Empire Junior Schreibmaschine, Seriennummer 44344, erwerben. Vom Aussehen her tippt man als in der Schweiz beheimateter Sammler intuitiv auf eine Hermes 2000. Am Frontblech prangt jedoch das Logo eines Löwen, sowie die Aufschrift „EMPIRE“ (quer über den Löwen gedruckt) und „Junior“.

Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016
Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016

Eine kleine Klammer an dieser Stelle: heisst es nun Empire Junior, oder liest man nicht Junior Empire? Mit der Auswertung der vorhandenen Original und Sekundärquellen komme ich zum Schluss, dass „Empire Junior“ die richtige Reihenfolge ist. 1 Klammer zu.

Was hat es also mit dieser Maschine auf sich? Aufschluss gibt zunächst, und naheliegend, die Rückseite der Maschine selbst. Hier finden wir einerseits die Aufschrift „MADE IN SWITZERLAND“, andererseits einen Aufkleber „OFFICE EQUIPMENT DISTRIBUTORS / PROPRIETORS – BRITISH TYPEWRITERS LTD. / WEST BROMWICH“. „Made in Switzerland“ ist auch verblasst im Gegenlicht auf dem Rahmen vor der Tastatur lesbar.

Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016
Empire Junior # 44344, Sammlung G. Sommeregger 2016

Allein mit den Angaben auf der Maschine kann man also ablesen, dass diese Schreibmaschine in der Schweiz hergestellt und von der zur British Typewriters Ltd. gehörigen Office Equipment Distributors als „Empire Junior“ verkauft wurde.

Sehen wir nun, ob der Befund an der Maschine im Vergleich mit Maschinen gleicher Bauart (das ist die Hermes 2000 bzw. Hermes Media) und durch vorhandene Literatur zur Empire Junior gestützt wird.

Ursprung in der Hermes 2000 Schreibmaschine

Beeching 1974 erwähnt in seinem Kapitel zu den Hermes Schreibmaschinen, dass die Modelle Hermes Media und Hermes 2000 in Grossbritannien als Empire Junior verkauft wurden. 2

Hermes Media und Hermes 2000 basieren auf dem selben Grundmodell, der Hermes 2000, die ab 1932/33 von der Paillard S.A. in Yverdon, Schweiz, gefertigt wurde. Zunächst existierte nur das Modell Hermes 2000, 1936/37 wurde die Palette durch die Hermes Media erweitert. Während die Hermes 2000 ab 1937 mit einem automatischen Setz- und Löschtabulator, sowie einem Anschlagregulierer ausgestattet war, fehlte diese Ausstattung bei der Hermes Media, die nach E. Martin zunächst als vereinfachtes Modell nur für den Schweizer Markt gedacht war, ab 1938 aber auch exportiert wurde. 3 Die beiden Modelle sehen wir in folgender zeitgenössischer Werbung.

in : Neue Zürcher Zeitung, 4. Mai 1937.
in : Neue Zürcher Zeitung, 4. Mai 1937.

Die hier vorgestellte Maschine mit der Seriennummer 44344 entspricht von der Bauart her klar dem Hermes 2000 Modell, das 1937 auf den Markt kam. Einfach zu erkennen ist dies eben am vorhandenen automatischen Setz- und Löschtabulator (das ist der kleine silberne Hebel mit Kugelknauf links über der Tastatur) sowie dem Anschlagregulierer (der auf der Rückseite der Maschine angebrachte Drehknopf). Sehen wir zum Vergleich die Hermes 2000 # 37567 aus dem ersten Produktionsjahr 1937:

Hermes 2000 #37567 (1937), G. Sommeregger 2010
Hermes 2000 #37567 (1937), G. Sommeregger 2010

Die mir bisher bekannten Exemplare der Empire Junior entsprechen sämtlich dem Typus Hermes 2000, Modell 1937. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass, wie von Beeching 1974 erwähnt, Exemplare existieren, die der vereinfachten Bauart der Hermes Media entsprechen. 

Vertrieb durch die British Typewriters Ltd.

Wie kam nun die British Typewriters Ltd. zum Vertrieb der in der Schweiz hergestellten Hermes 2000/ Hermes Media Schreibmaschine?

Die Firma Paillard hatte 1935 mit der Hermes Baby einen Verkaufs- und Exportschlager auf den Markt gebracht. Der Auslandsverkauf musste sich an den damaligen Gegebenheiten des Markts anpassen. Für gewisse Länder waren aufgrund Konkurrenz und Zollschranken Exporte für die Paillard sehr schwierig. Für diese Länder, zu denen neben Grossbritannien auch Italien zählte, war es rentabler, eine Lizenzproduktion zu vergeben.

Die Lizenz für die Herstellung der Hermes Baby in Grossbritannien wurde sehr früh von N.W.R. Mawle, dem damaligen Manager der Imperial Typewriter Co., erworben. Schon ab 1936 wurde die Hermes Baby in England produziert und als „The Baby Empire“ bzw. „Empire portable“ und „Baby Empire“ verkauft (s. unseren Artikel zur Baby Empire). Im Zug des Erfolgs der Hermes Baby verkauften sich auch die anderen Paillard Modelle besser. 

Für Dezember 1936 liegt nun eine zeitgenössische Quelle vor, nach der N.W.R. Mawle und seine British Typewriters Ltd. neben der Produktion der „Baby Empire“ auch den Vertrieb der Hermes 2000 unter dem Namen „Empire Junior“ aufgenommen hatte. 4

in: Hermes, No. 2, Weihnachten 1936 source: Archives cantonales vaudoises, ACV PP 680 2551
in: Hermes, No. 2, Weihnachten 1936
source: Archives cantonales vaudoises, ACV PP 680 2551

Wir dürfen also annehmen, dass die Empire Junior spätestens seit 1936 in Grossbritannien verkauft wurde. Dies entspricht auch den Angaben in Burghagens Liste der Herstellungsdaten. 5 Dieselbe Liste gibt 1939 als letztes Produktionsjahr an. Durch den 2. Weltkrieg wurden die Geschäftsbeziehungen offensichtlich unterbrochen, womit wir auf einen recht kurzen Verkaufszeitraum von drei Jahren zurückblicken.

Da die Empire Junior als reguläre Hermes 2000 Schreibmaschine in der Schweiz produziert wurde, ist es naheliegend, dass auch die Seriennummern für die Empire Junior denen der regulären Hermes 2000 Produktion entsprechen. Ein Vergleich zu den Einträgen für Empire Junior und Hermes 2000, die in der Burghagen Liste separat geführt sind, zeigt, dass diese nicht ganz übereinstimmen, sich jedoch im Wesentlichen überschneiden (s. Tabelle unten). Als Arbeitshypothese neige ich somit zur Nummerngleichheit von Hermes 2000 und Empire Junior.

Nach 1945 wurde die Produktion der Empire portable = Hermes Baby in England wieder aufgenommen und erfolgreich weitergeführt. Ein weiterer Vertrieb der Empire Junior nach 1945 ist mir aber nicht bekannt. 6

Produktionsdaten und Altersbestimmung

Für die Altersbestimmung einer Schreibmaschine kann die Fabriknummer (auch:  Seriennummer) sehr hilfreich sein. Bedingung dafür ist die Existenz von Alterslisten, die für das jeweilige Produktionsjahr die entsprechenden produzierten Seriennummern aufführen.

Für die Empire Junior findet sich die Seriennummer rechts auf der Wagenschiene und wird sichtbar, wenn man den Wagen ganz nach links schiebt.

Im Fall der Empire Junior gibt es in der sehr zuverlässigen „Burghagen“ Liste von 1962 eine Rubrik für die Empire Junior selbst. Als Vergleich habe ich aus oben genannten Gründen auch die Fabrikationsdaten für die Hermes 2000 / Media aufgeführt, ebenfalls aus der Burghagen Liste.

Jahr Seriennummern Empire Junior (Quelle: Schramm 1962 7) Seriennummern Hermes 2000/Media (Quelle: Schramm 1962 8)
1936–1937 32000–35000

 1936: 30001–33700

1937: 33701–41500

1938 –40000  41501–50000
1939 –55000  50001–60000

 

Dank

Mit vielem Dank an R. Bowker im Schreibmaschinenhimmel.

Erstellt am 27. Juni 2016 – letzter Update 6. Juli 2016

© typewriters.ch 2016

Notes:

  1. „Empire Junior“ wird in folgenden Quellen genannt: Artikel „Hermes Personalities. N.W.R. Mawle“, in: Hermes [Hauszeitschrift von Paillard], No. 2, Dezember 1936. Es ist dies eine Originalquelle, die am höchsten zu werten ist; Wilfred A. Beeching, Century of the Typewriter, London 1974, S. 117; Eintrag „Empire Junior“, in: Leonhard Dingwerth, Lexikon historischer Schreibmaschinen. Für die Zeit von 1940 bis zum Beginn der Elektronik, Delbrück 2007 + 2008, S. 111.
  2. „Media Model which was sold in the U.K. as the Empire Junior“ „Model 2000 was also sold as the Empire Junior.“ Quelle: Wilfred A. Beeching, Century of the Typewriter, London 1974, S. 117.
  3. Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 294.
  4. Artikel „Hermes Personalities. N.W.R. Mawle“, in: Hermes [Hauszeitschrift von Paillard], No. 2, Dezember 1936. Leonhard Dingwerth irrt hier, wenn er unter dem Eintrag „Empire Junior“, in: Leonhard Dingwerth, Lexikon historischer Schreibmaschinen. Für die Zeit von 1940 bis zum Beginn der Elektronik, Delbrück 2007 + 2008, S. 111, schreibt, dass es sich bei der Empire Junior um einen Lizenznachbau handelte.
  5. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, Hamburg, Burghagen Verlag, 11. Aufl. 1962.
  6. Aufgrund eines Photos eines Prototyps aus dem Nachlass von N.W.R. Mawle steht die Hypothese im Raum, dass sich die British Typewriters Ltd. in der Nachkriegszeit mit dem Gedanken trug, die Hermes 2000 in Eigenregie zu produzieren. Dies müsste aber noch klarer belegt werden.
  7. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, Hamburg, Burghagen Verlag, 11. Aufl. 1962.
  8. H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, Hamburg, Burghagen Verlag, 11. Aufl. 1962.