Farbbänder und Farbbanddosen

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Typewriter Ribbon Triptych, G. Sommeregger 2013.

Zum Geleit: Elegante Blechdosen

Der Eintrag zu Farbbändern in der Enzyklopädie der technischen Chemie schliesst wie folgt: „Für die sog. Klein-Schreibmaschinen kommen die Farbbänder in Längen von etwa 4 m, für die Vollschreibmaschinen in Längen von meist 10 m in Stanniol verpackt, in oft sehr eleganten Blechdosen in den Handel.1

In der Folge einige der Hersteller von Farbbändern bzw. Farbbanddosen. Die Marken sind Herstellern zugeordnet. Hier handelt es sich in den meisten Fällen um die Farbbandfabrikanten, die nicht zwingend identisch mit den Fabrikanten der Dosen, also der Behältnisse für die Farbbänder, sind. 

Aufstellung von Farbband- und Farbbanddosenherstellern

Marke Hersteller / Vertrieb Quelle
Adler Molineus & Komp., Barmen 4
Aktenband Dr. Adolf Heinemann, Worms 4
Albo Albert Borlinghaus, Fabrikation von Stempelkissen und Farben, Klebstoffen, Berlin SW61, Möckernstrasse 82 3
Alpad Albert Padberg, Spezial-Farbband-Fabrik, Wuppertal-Sonnborn 1
Arlac Carl Fr. Brauner, Farbband- und Kohlepapierfabrik, Stettin, Pionierstrasse 29 3
Arminia Arminia-Farbband-Werk Kampmann & Co., Detmold 3
[Wilhelm Brauns?] Wilhelm Brauns, Reichenberg i. Böhmen 4
Carbondy D. Bondy, Düsseldorf 88, Venloer Str. 22 3
Celesta J. Buz, Spezialfabrik für Farbbänder und Kohlepapiere, Berlin N 4, Chausseestrasse 116 3
Cepo unbekannt  
3. V Corvus Chemische Fabrik Dr. Adolf Heinemann A.-G., Frankfurt a.M., Steinweg 9 3
Cyklon Chemische Fabrik Cyclon G.m.b.H., Betzdorf/Sieg 3
Derby Bluen & Co., Aktien-Gesellschaft für Bürobedarf, Berlin-Schöneberg 3
Deutsches Farbband Dr. Wenzlik, Köln 4
Diamant Molineus & Komp., Barmen 4
Faun F. Heidenheimer G.m.b.H., Stuttgart, Liststrasse 28a 3
Geha

Geha-Werke, Fabriken für Bürobedarf, Hannover (1)

Geha-Aktiengesellschaft, Fabrik für Farbbänder u. Kohlepapier, Hannover (3)

1, 3
Geko Georg Köbele, Nagold, Württemberg 2 (Vertrieb)  
Gimborn H. von Gimborn A.-G., Emmerich a. Rh. 3
Greif Greif-Werke A.-G., Fabrik für Bürobedarf, Goslar (Harz) 1
Gutenberg Gutenberg Werk f. Bürodbedarf, Mainz 1
Hafag Hannover. Farbband-Gesellschaft Erwin Simalya & Co., Hannover, Nelkenstrasse 11 3
Hannalin Hannalin, Oranienburg, Lehnitzstrasse 36 1
Heiko Walter Heisse K.-G., Fabrik für Bürobedarf, Halle (Saale), Ludwig-Wucherer-Strasse 9 1
Helvetia

bis 1948: F. Lauener, vorm. Steiger-Dieziker & Cie., Schweiz. Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

ab 1948: Lauener A.G., Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

2
Justizia Molineus & Komp., Barmen 4
Lindwurm Geha-Aktiengesellschaft, Fabrik für Farbbänder u. Kohlepapier, Hannover 3
Luxor Luxor Spezialfabrik für Bürobedarf GmbH., Heidelberg, Spezialfabrik für Farbbänder 1
Multi-Druck

Chemi-Techno-Kompanie Wöldecke & Matthes, Dresden-A. 21, Augsburger Strasse 89

3
National

bis 1948: F. Lauener, vorm. Steiger-Dieziker & Cie., Schweiz. Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

ab 1948: Lauener A.G., Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

2
Oscoma Völcker & Co., Radebeul-Dresden 3  
Pelikan Günther Wagner, Pelikan-Werke, Hannover 1
Pico Dr. Alfred Hölken, Düren (Rheinland) 1
Schreibmaschinenband Aug. Leonhardi, Dresden 4
Schütte-Band Carl Schütte, Berlin 4
Semper Verum Molineus & Co., G.m.b.H., Erfurt 1
Stolzenberg Farbband Aug. Leonhardi, Dresden 4
Taifun

Tintenfabrik Eduard Beyer, Chemnitz

3
Textor

Chemische Fabrik Cyclon G.m.b.H., Betzdorf/Sieg

3
Zenith

bis 1948: F. Lauener, vorm. Steiger-Dieziker & Cie., Schweiz. Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

ab 1948: Lauener A.G., Farbbandfabrik, Zürich, Meierweg 3

2

Quellen

1 F. K. Reckert, Handbuch für Papier und Bürobedarf, Max Schwabe Verlag, Berlin-Schöneberg, 1949.

2 Georg Sommeregger, F. Lauener: Farbbandfabrik in Zürich, auf: typewriters.ch, 2018

3 Ludwig Brauner, Illustriertes Büromaschinen-Dauer-Lexikon in Kartenform und Bezugsquellen-Karten für Organisations-Geräte, Organisation Verlagsgesellschaft m. b. H. (S. Hirzel), Berlin, ab 1926

4 Arndt., Farbbänder für Schreibmaschinen, in: Dinglers Polytechnisches Journal, 98. Jahrgang, Band 322, Heft 6, 9. Februar 1907, S. 95f.

Galerie Farbbanddosen

Diese Galerie ist mehr für’s Auge. Nähere Beschreibungen der Dosen finden Sie unter Farbbanddosen Schweiz und – für den Rest der Welt – unter Farbbanddosen – typewriter ribbon tins. Viel Spass beim Betrachten!

Zusammensetzung und Herstellung von Farbbändern

Lesen wir hierzu aus der Enzyklopädie der technischen Chemie 4:

„9. Schreibmaschinenfarben. Diese dienen zum Imprägmieren des Farbfilzes der Schreibmaschine oder des Farbbandes bzw. Farbtuches [Über die Herstellung der ähnlich zusammengesetzten Durchschlagepapiere für Schreibmaschinen macht B. WALTHER, Ch. Ztg. 1921, 287 einige Angaben, auf die verwiesen wird.]. Die hierfür in Betracht kommenden Farben dürfen die Metalltypen weder angreifen noch verstopfen. Die zum Tränken der Farbbänder bzw. Farbfilze dienenden Farben muß man einteilen in nicht kopierende (record) und kopierende. Daneben kommen noch hektographische, lithographische Farben und solche zum Anfertigen von dokumentarischen Schriftstücken vor. In der Hauptsache bestehen diese Farben aus Anreibungen von Anilinfarbstoffen und Anilinfarblacken, bei Urkundenfarben auch Ruß, mit Ölen, Fetten und Fettsäuren. Von dem früher verwendeten Zusatz von Glycerin ist man wohl meist abgekommen, da durch die wasseranziehende Kraft des Glycerins die mit derartigen Farben hergestellten Farbbänder zu sehr den atmosphärischen Einflüssen der Luft unterworfen und ein gutes Farbband doch unter allen klimatischen Verhältnissen gleich gut verwendbar sein soll. Ein Haupterfordernis für die Schreibmaschinenfarbe ist die möglichst feine und innige, [175] man möchte sagen kolloidale Verreibung des Farbstoffs mit den Ölen, soweit Lösung nicht möglich ist. Der Verreibungsprozeß unterliegt deshalb in der Praxis der mikroskopischen Kontrolle, da die Feinheit der Farben bestimmend ist für das so lästige Verstopfen der Schreibmaschinentypen, was unsaubere Schrift, zumindest häufigeres Reinigen der Typen bedingt. Die Erfahrung lehrt allerdings, daß einigen Farbstoffen das Verstopfen trotz feinster Vermahlung individuell eigentümlich ist. Zur Verreibung der Farbbandfarben bedient man sich der Kugelmühlen oder noch besser der in der gesamten Farbenindustrie gebräuchlichen Walzwerke, welche aus einem System von 3 Granitwalzen oder Stahlwalzen mit oder ohne Innenwasserkühlung bestehen.

Nach B. WALTHER (Ch. Ztg. 1920, 170) wird zur Herstellung einer schwarzen Schreibmaschinenfarbe wie folgt verfahren:

10 Tl. feinster Ruß und 10 Tl. völlig geruchsfreies Vaselin (oder weniger gut dickflüssiges Mineralöl mit einem Zusatz von 5–10 % Ceresin) werden auf der Walzenmühle aufs beste verrieben, 5 Tl. einer Lösung von Nigrosinbase in Ölsäure 1:2 zugesetzt und nochmals auf der Mühle durchgearbeitet. Bunte, kopierfähige Schreibmaschinenfarben werden durch inniges Verreiben von basischen Farbstoffen wie Methylviolett, Methylenblau oder Safranin mit Vaselinöl hergestellt. Die damit erhaltene Schrift ist stumpf, erlangt aber nach dem Kopieren den richtigen Ton, da hierbei die Farbstoffkryställchen sich lösen und die wässerige Lösung das Papier anfärbt.

Mit den so hergestellten Schreibmaschinenfarben werden nun Filze oder Bänder aus Baumwolle getränkt. Über die technische Herstellung von Schreibmaschinenbändern ist folgendes zu sagen.

Das am meisten und mit bestem Erfolg für die Herstellung von Farbbändern verwendete Rohmaterial ist und bleibt die Baumwolle; doch sind auch Farbbänder aus Seide, Halbseide u. s. w. im Handel aufgetaucht, und während des Weltkriegs dürfte es wohl keine Gespinstfaser einschließlich des Papiergarns feinster Nummer gegeben haben, welche nicht zur Herstellung von Farbbändern wenigstens versuchsweise herangezogen worden wäre. Die ungefärbten Rohbänder kann man in 2 Hauptgruppen einteilen, u. zw.: 1. in solche, welche von Haus aus in den für die verschiedenen Maschinensysteme erforderlichen Breiten, 6 – 38 mm, gewebt werden, sog. Webkantenbänder, und 2. in solche, welche aus breiten Stoffbahnen durch Spezialrollenschneidmaschinen in der nötigen Breite herausgeschnitten werden und deren Kanten während des Schneidprozesses gleichzeitig durch geeignte Leimung befestigt werden, die sog. Schnittkantenbänder. […]

Der wesentlichste Teil der Farbbandfabrikation ist hiernach die Tränkung oder Einfärbung der Farbbänder. Die zahlreichen, hierzu dienenden, im Handel befindlichen Konstruktionen lassen sich nach 2 Gesichtspunkten einteilen, z. zw. hat [176] man zu unterscheiden: 1. Das sog. Tauchsystem, nach welchem die älteren Maschinen gebaut sind, und 2. das Drucksystem, welches bei fast allen modernen Maschinen angewendet ist.

Nach dem Tauchsystem wird das Rohband von der Abwicklung in einen Farbbehälter geführt, wo es sich mit Farbe belädt. Darauf wird es zwischen 2 fein einstellbaren Abquetschwalzen, zumeist Stahlwalzen, von der überschüssigen Farbe wieder befreit. Diesem System haftet der Nachteil an, daß das Gewebe der Farbbänder und besonders die Kanten der Webbänder durch die starke Pressung der Abquetschwalzen, leicht zermalmt, zum mindestens zermürbt wird, was die Lebensdauer der Farbbänder beeinträchtigt.

Diesen Übelstand vermeiden die modernen Universal-Farbband-Imprägniermaschinen nach dem Druckverfahren.

in: Ullmann, Enzyklopädie

Hier erhält, wie aus Abb. 38 ersichtlich, das von der Abwicklung kommende, auf einem Stahlzylinder festgelagerte Farbband durch Gummidruckringe, von einem oder nacheinander von mehreren Zweiwalzenfarbwerken eine genau zu bemessende Farbmenge. Darauf läuft das Band über einen genau gleichen zweiten Zylinder und wird in derselben Weise von der Rückseite gefärbt. Durch entsprechende Regulierung der Farbmenge, des Druckes des auftragenden Gummiringes bzw. durch mehrmaliges Einfärben des Farbbandes läßt sich jede der für die verschiedenen Schreibmaschinensysteme erforderlichen Tränkungen leicht ohne Schädigung des Bandgewebes erzielen. Außerdem ist es allein nach dem Druckverfahren möglich, die in den verschiedensten Zusammenstellungen vorkommenden zwei- und mehrfarbigen Farbbänder herzustellen.

Die zumeist in Längen von 250–500 m eingefärbten Farbbänder werden zuletzt durch Hand- oder auch durch maschinell angetriebene Spulmaschinen mit Meßeinrichtungen auf die Spulen der zahlreichen unterschiedlichen Schreibmaschinen aufgewickelt. Für die sog. Klein-Schreibmaschinen kommen die Farbbänder in Längen von etwa 4 m, für die Vollschreibmaschinen in Längen von meist 10 m in Stanniol verpackt, in oft sehr eleganten Blechdosen in den Handel.“ 5

Abriss der Entwicklung der Farbbandherstellung

Interessantes weiss Dinglers Polytechnisches Journal im Jahr 1907 zu berichten: 

„In dem Jahresberichte des [Kgl., Anm.] Materialprüfungsamtes [der Technischen Hochschule Berlin, Anm.] über das Betriebsjahr 1904 wurden 25 Farbbänder als brauchbar aufgeführt; unter diesen waren 9 in Deutschland hergestellt; fast alle anderen stammten aus Amerika. Dieses Ueberwiegen der ausländischen Erzeugnisse rührt daher, daß sich Amerika (und England) schon seit Jahrzehnten mit der Anfertigung von Farbbändern befaßt, während der Industriezweig bei uns noch verhältnismäßig jung ist.

Wie dieser Jahresbericht ersehen läßt, bringen folgende deutsche Geschäfte unter deutschem Namen brauchbare Farbbänder in den Handel:

1. Dr. Adolf Heinemann in Worms („Aktenband“).
2. Aug. Leonhardi in Dresden („Schreibmaschinenband“, „Stolzenberg-Farbband“).
3. Molineus & Komp. in Barmen („Diamant“, „Adler“, „Justizia“).
4. Carl Schütte in Berlin („Schütte-Band“).
5. Dr. Wenzlik in Köln („Deutsches Farbband“).
6. Wilhelm Brauns in Reichenberg (Böhmen).
Der Jahresbericht des Prüfungsamtes für 1905 macht die höchst erfreuliche Angabe, daß die deutschen Farbbänder schon jetzt den amerikanischen an Güte mindestens gleichkommen.“ 6

 

Auf typewriters.ch

Farbbanddosen – typewriter ribbon tins

Farbbanddosen Schweiz

F. Lauener: Farbbandfabrik in Zürich

Pelikan Farbbanddosen und das Pelikan Logo

Faun Farbbänder der F. Heidenheimer G.m.b.H.

 

Notes:

  1. F. Lohse, H. v. Haasy, Tinte, in: Fritz Ullmann (Herausgeber), Enzyklopädie der technischen Chemie, Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922, Band 11
  2. Aufdruck auf Farbbanddose Geko
  3. Aufdruck auf Farbbanddose Oscoma
  4. Fritz Ullmann (Herausgeber), Enzyklopädie der technischen Chemie, Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922.
  5. F. Lohse, H. v. Haasy, Tinte, in: Fritz Ullmann (Herausgeber), Enzyklopädie der technischen Chemie, Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922, Band 11
  6. Arndt., Farbbänder für Schreibmaschinen, in: Dinglers Polytechnisches Journal, 98. Jahrgang, Band 322, Heft 6, 9. Februar 1907, S. 95f.
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