Faun Farbbänder der F. Heidenheimer G.m.b.H.

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Teil von: Farbbänder und Farbbanddosen

Wir kommen über das auffällige Design der „Faun“ Farbbanddose auf die Firma F. Heidenheimer GmbH in Stuttgart zu sprechen.

Farbband Faun, Sammlung typewriters.ch 2018

Der Faun auf der Farbbanddose

Zu sehen ist ein Faun, wie er keck hinter einem stylisierten Nadelbaum, vielleicht einer Tanne, hervorschaut. Er lächelt verschmitzt. Zu sehen ist gerade nur der Kopf und Oberkörper des Wesens. Die Farbbgebung ist schlicht aber wirkungsvoll. Vor schwarzem und weiss-beigen Hintergrund sind Umrandung und Konturen in knalligem Rot ausgeführt, die Linienführung ist klar.

Faune dieser Bildtradition entsprechen der Deutung des alten Gottes Faunus in seiner Verwandtschaft mit dem griechischen Pan oder den griechischen Satyrn. Dergestaltige Faune werden als „missgestaltete Waldgötter, mit kleinen Hörnern, spitzigen Ohren, Schwänzen und Bockfüssen“ präsentiert. 1 Puck aus Shakespeares Sommernachtstraum lässt grüssen.

Die F. Heidenheimer GmbH in Stuttgart

Im Jahr 1900 begannen die Brüder Isidor und Arthur Heidenheimer mit der Veredelung von textilen Produkten, um sie für spezielle Zwecke nutzbar zu machen. Beispielsweise als Zigarrenband oder als Scharnierband für Zigarrenkisten aber auch für die Elektroindustrie. Die beiden Unternehmer erweiterten später ihr Angebot durch Heftgaze, Schirting und Büchertuch für die Buchherstellung.2

Isidor Heidenheimer ist am 18. Juli 1878 geboren. 3

1914 finden wir F. Heidenheimer GmbH unter den teilnehmenden Firmen der „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“ in Leipzig. 4 Dort werden als Geschäftsfelder genannt: „Heftgaze für Fadenheftung u. Drahtheftung. Alleiniger Heftgaze-Lieferant des Buchbinderei-Großbetriebs auf der Bugra. Buchbinder-Shirting, Büchertuch, Bücherleinen, Falzstoffe, Landkarten-Shirting. Schmale Shirting- u. Doppeltuch-Röllchen. Exaxter, fransenfreier Schnitt, harte Wickelung.5 Farbbänder sind hier noch nicht explizit genannt.

In einem auf Isidor Heidenheimer lautenden Patent aus dem Jahr 1924 ist die Marke „Faun“ schon auf der Patentszeichnung abgebildet. 6 Verschiedene Patente von Isidor und Arthur Heidenheimer finden sich noch bis 1936. 7

Brauners Lexikon führt die Faun Farbbänder in seiner „Liste der wichtigste deutschen Fabriken“ für Farbbänder auf und liefert die Detailinformationen, dass diese über Bürobedarffachgeschäfte vertrieben wurden. Präsentiert waren die Farbbänder wie folgt: „Original-„Faun“-Packung in Blechdose; das Band selbst in seiner Verpackung verschnürt mit „Faun“-Siegelmarke und aus der Dose heraushängendem Verschnürungsende mit Siegelmarke.“ 8

Firmensitz ist die Liststraße 28a in Stuttgart. 9

Die Central-Verein-Zeitung ehrt am 17. Januar 1935 Arthur Heidenheimer: „Arthur Heidenheimer, Teilhaber und Geschäftsführer der F. Heidenheimer GmbH, Fabrik technischer Gewebe in Stuttgart, feierte dieser Tage sein 23jähriges Geschäftsjubiläum. Unermüdliche Schaffensfreudigkeit, große Tatkraft und kaufmännischer Weitblick zeichnen den Jubilar aus. An der Entwicklung der F. Heidenheimer GmbH, die das Unternehmen zu einer Bedeutung innerhalb der Branche und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus geführt hat, kommt Arthur Heidenheimer wesentlicher Anteil zu.

In diesem Zeitraum und bis mindestens 2. Juli 1936 10 erscheint in der Jüdischen Rundschau und in der Central-Verein-Zeitung folgendes Inserat:

in: Jüdische Rundschau, 17. April 1935. Via University of Florida, http://ufdc.ufl.edu.

Auf der Webseite der bis heute tätigen Nachfolgefirma Heinz Ziegenbein KG erfahren wir: „1936 wurde die Firma an Georg Ziegenbein verkauft, der die Geschäftsleitung seinem Sohn Heinz übertrug. Das Unternehmen firmierte nun unter Heinz Ziegenbein KG.11

Der Verkauf des wie erwähnt florierenden Unternehmens dürfte im Kontext der vom NS-Regime geschaffenen diskriminierenden Bedingungen für Geschäftstätigkeit jüdischer Personen geschehen sein. Im deutschen Bundesarchiv ist im Nachlass des Rechtsanwalts Hermann Dietrich aus seiner Tätigkeit 1935/36 die Akte „F. Heidenheimer GmbH, Stuttgart: Transferierung jüdischen Vermögens in das Ausland“ verzeichnet. 12 Ebenso finden sich im Landesarchiv Baden-Württemberg die Akten des Amtsgerichts Stuttgart aus dem Schlichtungsverfahren für Wiedergutmachung nach dem Krieg für die Heidenheimer GmbH. 13

© typewriters.ch 2018

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Notes:

  1. Eintrag Faunus, in: Brockhaus‘ Konversations-Lexikon, 14. Auflage, Neue Revidierte Jubiläums-Ausgabe, Sechster Band, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 1902, S. 489.
  2. Ziegenbein KG, Webseite, URL: http://www.ziegenbein-kg.de/portrait.php?de (abgerufen am 7. Oktober 2018)
  3. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 201 Bü 569, via Deutsche Digitale Bibliothek, URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/VFHDQEZ2IMB5N5MPIU2YEZVTEF5AY73J (abgerufen am 7. Oktober 2018)
  4. Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914, Amtlicher Katalog, Poeschel & Trepte, [Leipzig 1914]
  5. Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914, Amtlicher Katalog, Poeschel & Trepte, [Leipzig 1914]
  6. GB225128, Device for Producing Distinction Marks on Inking Sheets, Inking Ribbons or the like., beantragt 19. Mai 1924, akzeptiert 27. November 1924.
  7. Vgl. https://worldwide.espacenet.com
  8. Ludwig Brauner, Illustriertes Büromaschinen-Dauer-Lexikon in Kartenform und Bezugsquellen-Karten für Organisations-Geräte, Organisation Verlagsgesellschaft m. b. H. (S. Hirzel), Berlin, ab 1926.
  9. Ludwig Brauner, Illustriertes Büromaschinen-Dauer-Lexikon in Kartenform und Bezugsquellen-Karten für Organisations-Geräte, Organisation Verlagsgesellschaft m. b. H. (S. Hirzel), Berlin, ab 1926.
  10. Suche im Katalog der UB Frankfurt am Main.
  11. Ziegenbein KG, Webseite, URL: http://www.ziegenbein-kg.de/portrait.php?de (abgerufen am 7. Oktober 2018)
  12. via Deutsche Digitale Bibliothek, URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/6QLLZVHCCUH4OLNQC5QXH7F2MBMXTRVJ (abgerufen am 7. Oktober 2018)
  13. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, FL 300/33 I Bü 20971, via Deutsche Digitale Bibliothek, URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/DABQVTZEW43DDYYGUJXMYZBOEP6ILBMO (abgerufen am 7. Oktober 2018)