F. Lauener: Farbbandfabrik in Zürich

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In der Schweiz findet man noch heute auf Flohmärkten oder anderweitig elektronisch bunte Farbbanddosen der Marken National, Helvetia und Zenith. Diese Farbbänder wurden sämtlich von der Firma F. Lauener in Zürich hergestellt.

Teil von: Farbbänder und Farbbanddosen

Überblick Firmengeschichte

1. November 1895 Firma M. Steiger-Dieziker in Zürich, Badenerstrasse 256. Inhaberin: Marie Steiger-Dieziker.
17. Juni 1907 Firma M. Steiger-Dieziker in Zürich, Lägernstrasse 23
2. Oktober 1908 Firma M.Steiger-Dieziker, Schweizerische Farbbandfabrik., in Zürich, Lägernstrasse 21
1908/09 Beginn der Farbbandproduktion
2. September 1911 Kommanditgesellschaft M. Steiger-Dieziker & Cie., Schweizerische Farbbandfabrik, in Zürich, Meierweg 3.
14. Oktober 1918 Firma F. Lauener, vorm. Steiger-Dieziker & Cie., Schweiz. Farbbandfabrik, in Zürich, Meierweg 3. Inhaber: Fritz Lauener.
1919–1921 Markeneinträge National, Helvetia, Zenith.
15. Dezember 1948 Folgend dem Tod von Fritz Lauener Umwandlung in die Aktiengesellschaft Lauener A.G., Farbbandfabrik, in Zürich, Meierweg 3.
1953 Rückzug der Erbinnen Hedwig Lauener-Steiger und Hedwig Indermaur-Lauener aus dem operativen Geschäft.
5. Juni 1967 Streichung aus dem Handelsregister

Produkte

Firmengeschichte

Die Firma Lauener geht auf die Firmengründung von Frau Marie Steiger-Dieziger im Jahr 1895 zurück. Am 1. November 1895 gründete sie die Firma «M. Steiger-Dieziker» in Zürich. Es handelte sich laut Widmung im Handelsregister um ein «Patentverwertungsbureau» und einen «Bücherverlag». Prokura wurde erteilt an den Ehemann der Inhaberin, Eugen Steiner. Dieser war Patentanwalt. Effektiv findet man «E. Steiger» in den Jahren bis um 1910 immer wieder in dieser Funktion im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) erwähnt.

Marie (manchmal «Maria» geschrieben) Steiger, geb. Dieziker, aus Altstätten im Kanton St. Gallen, muss eine findige Unternehmerin gewesen sein. So sind mehrere Patente auf ihren Namen eingetragen, davon das erste «Transport-Kisten-Verschluss» vom 5. Dezember 1895.

1896 investierte Marie Steiger-Dieziker als Kommanditärin, also nur beschränkt haftende Gesellschafterin, in die am 31. Dezember 1896 gegründete Firma «C. A. Meyer & Cie», Zürich. Firmenzweck war die Herstellung der Schriftvervielfältigungsmaschine «Helvetia». Das wohl zugehörige Patent auf den Namen Eugen Steiger wurde im September 1896 beantragt. Somit finden wir wieder die geschäftlich eng verbundenen Eheleute Steiger-Dieziger. Der Firma und der «Helvetia» war allerdings kein Erfolg beschieden: im Juni 1898 steigt Marie Steiger-Dieziger aus der Firma aus. Schon im Juni 1900 findet sich die Konkursanzeige.

Per Juni 1907 ist Marie Steiger-Dieziker mit ihrer Firma als «Bücherverlag» in der Lägernstrasse 23 verzeichnet.

Im September 1908 wird der Geschäftszweck auf «Technisches Bureau und Bücherverlag und Fabrikation von Farbbändern» erweitert. Neu heisst die Firma «M. Steiger-Dietziker [recte: Dieziker], Schweizerische Farbbandfabrik.» Adresse ist die Lägernstrasse 21.

Patente folgen: «Verfahren zur Herstellung einer Druck- und Stempelfarbe», beantragt am 9. November 1909, «Vorrichtung zum Einfärben von Stempeln», beantragt am 17. August 1910, und «Stempelkissen», beantragt am 8. Oktober 1910.

Die Firma scheint auf Erfolgskurs, denn 1911 nimmt Marie Steiger-Dieziker eine «Witwe Louise Brunner» als Kommanditärin in die neu gegründete Kommanditgesellschaft «M. Steiger-Dieziker & Cie., Schweiz. Farbbandfabrik» auf. Firmenzweck: «Fabrikation von Schreibmaschinenfarbbändern, Stempelkissen und Handel in ähnlichen Bureaubedarfsartikeln». Neu ist die Firma am Meierweg 3. Neben der Einzelprokura von Ehemann Eugen Steiger-Dieziker findet sich ein neuer Name im Handelsregistereintrag: Fritz Lauener, von Lauterbrunnen (Bern), in Zürich IV. 1912 fliesst weiteres Geld, ein Carl Ferrari tritt als Kommanditär ein.

Ein «F. Lauener» scheint ab 1909 als «Vertreter» in Patentschriften auf, war also Patentanwalt.

Der 1. Weltkrieg scheint die Firma in eine sehr gute Konkurrenzposition versetzt zu haben, wie wir aus einer Geschäftskorrespondenz von 1919 ableiten können:

„Mein seit 1908 bestehendes Fabrikationsgeschäft [war] einzig in der Lage, den Markt auch dann anstandslos und ohne Unterbruch zu bedienen, als die Einfuhr beinahe oder ganz aussetzte.“ 1

Im Oktober 1918 verschieben sich die Besitzverhältnisse: die bisherige Kommanditgesellschaft wird an die Firma «F. Lauener» verkauft. Friedrich «Fritz» Lauener hatte diese Firma schon im Dezember 1916 eintragen lassen, und es ist – u.a. aufgrund der identischen Firmenadresse mit M. Steiger-Dieziger am Meierweg 3 – anzunehmen, dass sie als juristisches Gefäss für die Übernahme diente. So ist denn den neue Firmenname – etwas sperrig – «F. Lauener, vorm. M. Steiger-Dieziker ] Cie., Schweiz. Farbbandfabrik». Das Geschäftliche ist weiterhin vom Privaten nicht getrennt: Fritz Laueners nunmehrige zentrale Position hat als Hintergrund seiner Ehe mit der Tochter des Firmengründerehepaars Steiger-Diezikon, Hedwig Steiger. So gestalten Fritz und Hedwig Lauener-Steiger als zweite Generation das Unternehmen.

Im März 1919 wurde Hans Lauener die Prokura erteilt. Dieser war – mit gemeinsamen Heimatort Lauterbrunnen (Bern) – wahrscheinlich enge Verwandtschaft – etwa der Bruder – von Fritz Lauener. Hans Lauener schied im März 1928 wieder von der Firma aus.

Folgend dem 1. Weltkrieg spürte Firma Lauener die Wiederkehr der im Krieg versiegten Konkurrenz:

„Gegenwärtig [1919] werden Anstrengungen gemacht, um ausländische Farbbänder bei der Schweizerkundschaft einzuführen, sei es durch Import, sei es durch Gründung von Fabriken durch Ausländer.“ 2

Doch das Geschäft scheint zu laufen. Am 11. Januar 1919 wurde die Marke „National“ mit zugehöriger Farbbanddose hinterlegt, am 1. Mai 1920 die Marke «Helvetia» mit dem Zusatz: «Farbbänder für Schreib- und Rechenmaschinen und für Arbeiterkontrolluhren; Drucktücher für Typendruckapparate», und am 11. März 1921 die Marke «Zenith». Wie die Bänder vor 1919 ausgeliefert wurden, ist mir nicht bekannt (Hinweise werden gerne entgegen genommen).

Eugen Steiger aus der Gründergeneration verstarb im Oktober 1922. Seine Witwe Marie Steiger-Dieziker blieb nach wie vor aktiv: In ihren am 17. Dezember 1923 ausgegebenenen Patenten «Einrichtung zum Fernanzeigen wechselnder Flüssigkeitshöhen» und «Zündkerze» wird Marie Steiger-Dieziger als Witwe geführt. Diese Patente sind bemerkenswert. Sie wurden im Januar 1922 eingereicht und sämtliche drei Patentträger waren Frauen: neben der erwähnten Marie Steiger-Dieziker finden wir ihre Tochter Hedwig Lauener-Steiger, sowie die «Witwe Marie Kiesel-Steiger». Letztere geborene Marie Steiger muss entweder eine Schwester von von Eugen Steiner, oder aber eine Generation tiefer seine Tochter mit Marie Steiger-Dieziker sein. Letztere Version würde ein Mutter-Tochter Namenpaar «Marie» eine Generation über Mutter und Tochter Hedwig ergeben.

1948 starb Fritz Lauener. Die Firma sowie die laufenden Marken wurden übergeführt in die «Lauener A.G., Farbbandfabrik». Die Witwe Hedwig Lauener-Steiger hatte Einzelunterschrift, Hedwig Indermaur-Lauener die Einzelprokura. Hedwig Indermaur muss die Tochter von Fritz und Hedwig gewesen sein. Im Januar 1952 wurde sie Mitglied des Verwaltungsrats und erhielt Einzelunterschrift.

Am 2. Mai 1950 werden wiederum die Marken «Zenith» und «National» mit neu designten Dosen eingetragen.

Im Mai 1953 ziehen sich Mutter Hedwig Lauener-Steiger und Tochter Hedwig Indermaur-Lauener aus der Firma zurück. Die neuen Verwaltungsräte scheinen nicht mehr familiär verbunden gewesen zu sein.

Am 19. März 1959 wird wiederum die Marke «National» verlängert.

Am 5. Juni 1967 wird die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Womit ein jahrzehntelanges Hauptkapitel der Farbbandproduktion in der Schweiz geschlossen wurde.

Quellen

Schweizerisches Handelsamtsblatt (via e-periodica.ch), Neue Zürcher Zeitung, Farbbanddosen aus der Sammlung Alfred R. Wepf.

Dank

Dank wie immer an Alfred R. Wepf für die schönen Stücke aus seiner Sammlung.

Impressum

© Georg Sommeregger, typewriters.ch 2018

Korrekturen und Ergänzungen sind höchst willkommen (E-Mail).

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Notes:

  1. Postkarte F. Lauener vorm. Steiger-Dieziker & Cie an A. Arnold, Escholzmatt, gelaufen am 15. Mai 1919. Sammlung typewriters.ch.
  2. Postkarte F. Lauener vorm. Steiger-Dieziker & Cie an A. Arnold, Escholzmatt, gelaufen am 15. Mai 1919. Sammlung typewriters.ch 2018.