Die Schreibmaschine in der Landyacht

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Das Grazer Tagblatt erfreut uns mit einem am Dienstag, den 24. Mai 1892 erschienenen Beitrag zu der Ende des 19. Jahrhunderts in England aufgekommenen Mode der „Yachten zu Lande“, sprich Vorläufern der Wohnwägen und -mobile.  Da darf eine Schreibmaschine nicht fehlen…

Wie immer, gute Lektüre!

[Originalschreibweise; Hervorhebungen durch Fettdruck von typewriters.ch]

„(Eine Yacht zu Lande.) Der allerneueste Sport, den sich jedoch nur wenige gestatten dürfen, ist in England die Yacht zu Lande. Sie erinnert an den Kunstreiterwagen des continentalen Europas oder an die fahrenden Gotteshäuser der Heilsarmee und der Curch  Association [recte: Church Association] im lustigen England. Aber freilich, die Aehnlichkeit ist nur beschränkt und ausser den vier Rädern haben Kunstreiterwagen und Landyacht nichts gemeinsam. 

Aus Nussbaum und Eiche sind die Wände gezimmert, silberne Klopfer hängen an der Thür, eine blitzende Küche sorgt für den inneren Menschen und durch grosse Spiegelscheiben sieht man in üppig ausgestattete kleine Salons. Solch einen fahrenden Palast hat sich der Herzog von Newcastle gebaut und nach Seemannsbrauch seinem Fahrzeug den Namen „Der Zigeuner“ gegeben.

Im Vordertheil befindet sich die Küche mit vollständigem Herd, daran schliessen kleine allerliebste Wohnräume, in denen sogar ein Pianino steht. „Luxus?“ rechtfertigte sich der Besitzer des fahrenden Schmuckkästchens gegen einen Besucher, „vielleicht haben Sie recht, aber warum, sollen wir uncivilisiert leben, weil wir zufällig ein paar Wochen durch die schönsten Gegenden des Landes fahren? Wir nehmen auch den gehörigen Vorrath von Wäsche und Tischzeug mit, denn Reinlichkeit war bisher nicht die glänzendste Seite der meisten Karavanenwagen. Kaffee aus zerschlagenen Tassen zu trinken, kalte, geschmacklose Speisen zu geniessen oder sich in einem löcherigen Kessel zu waschen, das sind ganz schöne Dinge, wenn man es nicht anders weiss, aber wozu soll ich als ein Wilder leben, wenn ich es mir hübsch bequem und gesittet einrichten kann?

Man kann in dieser Hinsicht dem Herzog v. Newcastle nur vollständig beipflichten. Anfang Juli will der Herzog in Kent und Sussex „kreuzen“, wo er besonders für den photographischen Apparat, den er bei sich führt, die reichste Ausbeute hofft, dann will er an der südlichen Küste Englands hin seine Fahrt fortsetzen. Für regnerische Stunden ist das Piano, der Typewriter und eine erlesene Sammlung von Rauchgegenständen da.

Die einzige Gefahr ist das Lahmen oder Niederbrechen eines Pferdes. Indessen, wie lange wird es dauern, und die Elektricität tritt an die Stelle der thierischen Kraft? Von dieser schönen Zeit, dem Paradies der Yachtfahrer zu Lande schwärmt der Herzog v. Newcastle schon jetzt.“

Typewriters.ch empfiehlt ANNO – AustriaN Newspapers Online. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online, ein Service der Österreichischen Nationalbibliothek (anno.onb.ac.at).