Die Meisterschaft von Oesterreich auf der Schreibmaschine [1906]

„Bei dem am 21. April in Wien (Hotel zur Post) stattgehabten Preiswettschreiben für Maschinenschreiber gingen als Sieger hervor: Fräulein Emma Weiss (Remington), Beamtin im Patentbureau des Ingenieurs Palm, mit 2 ersten Preisen und 1 zweiten Preis, Fräulein Mila Seidel (Ideal), staatlich geprüfte Lehrerin der Stenographie, mit je 1 ersten, zweiten und dritten Preis, und Fräulein Albine Grünzweig (Courir) [sic!], Beamtin der Maschinenfabrik Greger & Co., mit 1 zweiten und 2 dritten Preisen. – Die Meisterschaft von Oesterreich wurde Fräulein Mila Seidel (Ideal) beim Diktatschreiben für 70 Wörter in der Minute zu teil. – Als Preisrichter fungierten Lehrer der Fachschule für Stenographie und Maschinenschreiben in Wien VII. Neustiftgasse 3 (Josef Seidel, Kari Burger, Joh. Henz) sowie Vertreter der Schreibmaschinenfirmen: Ferdinand Schrey (Hammond), Hch. Schott & Donnath (Ideal) und Kammerer & Filzamer (Kanzler): die Herren Kaddatz, Zusa und Kammerer. Ausserdem waren folgende Schreibmaschinen-Firmen beim Wettschreiben vertreten: Theodor Weiss & Co. (Empire), A. Greter & Co. (Courir), Glogowski & Co. (Remington), von Risch (Smith Premier). An Preisen gelangten 300 Kronen zur Verteilung, die von beteiligten Interessenten gespendet wurden, und zwar 60 Kronen von Hch. Schott und Donnath, je 50 Kronen von den Firmen Ferdinand Schrey, A. Greger & Co. und Kammerer & Filzamer, 100 Kronen vom Verlag ‚Der prakt. Stenograph und Maschinenschreiber in Wien‘, 5 Kronen von der Firma Salzer, etc.“

in: Schreibmaschinen-Zeitung. Monatsschrift für das gesammte Schreibmaschinenwesen, Nummer 96, 15. Juni 1906, S. 83.

So viel Geschichte in nur einem Zeitungsartikel! Neben einem fantastischen Überblick der Schreibmaschinenhändlerszene Wiens Anfang des 20. Jahrhunderts tauchen auch Frauenfiguren auf, denen man zu gern ein Gesicht geben würde. Eine Internetrecherche gibt mögliche Pisten:

So könnte es sich bei der Angestellten („Beamtin“) der Maschinenfabrik Greger & Co. um die Albine Grünzweig, geb. 1889, Tochter von Jakob Grünzweig und Am Grünzweig, geborene Gutsch, handeln. 1. Diese Albine Grünzweig heiratete 1912 Richard Kuhn. Als Albine Kuhn wurde sie Mutter von neun Kindern und starb 1948 im 59. Lebensjahr. 2 Fräulein Grünzweig hätte somit 1906 als 17jährige bei Greger & Co. gearbeitet und mit flinken Fingern gleich einen Preis im Wettschreiben abgeräumt – natürlich auf der hauseigenen „Courier“ Maschine (hier „Courir“ geschrieben, was wiederum auf die Aussprache dieser Marke aus Ottakring schliessen lässt, nämlich wie die heutige Tageszeitung „Kurier“, gleich dem Kurier, dem Läufer).  

Notes:

  1. http://www.myheritage.com/names/albine_kuhn, abgerufen am 28. September 2015
  2. http://www.myheritage.com/names/albine_kuhn, abgerufen am 28. September 2015